Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 7. August 1904 (Hausach/Schwarzwald, Postkarte)


Hausach/Schwarzwald 7.8.04.
Hochgeehrtes gnädiges Fräulein!
Als ich heute Mittag von H. fortfuhr, war mir, als wenn ich aus einem sonnigen Lande in den schwarzen Wald reiste. Hier will mich alles heiter empfangen (keine silbern. Hirsche); eine vorzügliche Militärkapelle spielt "Kommt' ein Vogel geflogen". Aber das alles macht wenig Eindruck auf mich, selbst nicht die schönen Berge. Mir ist merkwürdig einsam zu Mute, und die wenigen Stunden, wo man es nicht ist, verrinnen leider zu schnell. Sie dürfen mir nicht verbieten, dankbar zu sein; wir haben doch einmal kein anderes Wort. Und die nächsten Wochen werde ich davon zehren müssen; denn es giebt gewisse Stimmungen, in denen mir die Natur nichts sagt, weil auch sie nicht ewig ist, falls man sie nicht dazu macht. – Briefe fand ich nicht. Also vogelfrei! Ich will versuchen, ob mich die kriegerischen Musiker etwas aufheitern können. Dann kommt wieder das alte Palliativ, das Hermann so haßt, der Wein, die Cigarre, das unaufhörliche Wandern. Sie sind glücklicher daran. Mögen Sie recht frohen Sinnes in d. Schwarzwald ziehen und rechten Vorteil gesundheitlich davon haben. Bitte empfehlen Sie mich Fräulein Knaps und sagen Sie auch ihr meinen innigsten Dank! Es grüßt Sie herzlich in treuem Gedenken Ihr E. S.