Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 1904


<ohne Datum; schwer lesbar>
Nulla dies sine linea.
Schopenhauer hat mit Unrecht aus der Thatsache, daß die Sehnsucht und das Begehren unversieglich sind, seine pessimistische Weltanschauung gefolgert. Die Thatsache ist richtig, aber sie kann u. muß in einem weiteren Sinne gedeutet werden: Alle Religiosität knüpft an das Unzulänglichkeitsgefühl an: wir ahnen höhere Werte, als sich im Zshg des Gegebenen <Wort unleserlich> lassen. Deshalb bleibt aller Monismus entweder eine Phantasieüberreizung, die nur periodisch anhalten kann, oder eine, zwar edlen Motiven entsprungen, aber nicht durchführbare Herabminderung unserer Lebendigkeit zu Gunsten ihrer Intellektualisierung.