Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 14. Oktober 1905 (Charlottenburg, Postkarte)


Nachtrag.
Litterarisches Centralblatt, d. 14.X.05.
Der Verf. schickt seiner eigentlichen Untersuchung eine Kritik der neukantianischen Erkenntnistheorie voraus, die (auch abgesehen von ihrer Unvollständigkeit) wenig Bemerkenswertes bringt. Er setzt sich dann nach einem histor. Überblick über d. Verhältnis der metaphys. zur psychol. Geschichtsauffass. mit Lamprecht, Wundt u. Sigwart auseinander, kürzer auch m. Rickert u. Münsterberg. Ref. muß gestehen, daß ihn die eigenen Aufstellungen des Verf. nicht überzeugt haben; die Arbeit des Verf. zeugt zwar von großer Belesenheit u. Gelehrsamkeit, das eigentliche Problem bringt sie aber nicht weiter. Grundlage d. Geisteswiss. ist weder die Psychologie noch eine "Wertlehre", sondern die Ethik im Sinne Kants (hört, hört!) und mittelbar die Rechts- u. Staatslehre (<Abk. unleserlich>). Die Behandlung des Problems bei den vom Verf. citierten modernen Philosophen verfehlt, wie es dem Ref. scheint, den Angelpunkt der ganzen Frage (!?), vor allem bedürfte der Begriff (iii!) des Individuums im System d. Geisteswiss. eine tiefgründigere Untersuchung.
Behn (?)
Herzl. Gruß. Der geschundene Raubritter.