Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 15. März 1906


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Hier schreibe ich Ihnen zunächst zwei Briefe ab, von denen der erste meinen (es kann kein andrer gemeint sein) Einfluß auf Lamprecht, der zweite mein Verhältnis zu Eucken zeigt.
Czernowitz, 13/.3.1906.
Sehr geehrter Herr Doktor!
Ihre Zeilen haben mich sehr gefreut. Durch die Zusendung meiner Inaugurationsrede wollte ich Ihnen Dank sagen für die genußreichen Stunden, die ich bei Ihrer schönen, von feinem Verständnis für historische Forschungen zeugenden Arbeit verbracht habe. Lamprecht, der mir zu meiner größten Überraschung seine Zustimmung zu meinen Ausführungen kundgegeben hat - er scheint jetzt andere Wege als bisher zu wandeln - meint, wir sollten jetzt die Philosophen in diesen Fragen zu Worte kommen lassen. Er hat Recht. Ich hoffe, daß Sie uns noch manches zu sagen haben, was gehört zu werden verdient.
Ihr hochachtungsvoll ergebener
gez. Herzberg-Fränkel
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Jena 15.III.06.
Hochgeehrter Herr Doktor!
Sie haben mich durch Ihren freundlichen Brief und Ihre liebenswürdige Sendung sehr erfreut und wollen meinen herzlichen Dank dafür entgegennehmen. Es war mir vor allem eine große Freude zu hören, daß Sie sich in geistiger Gemeinschaft mit mir fühlen. Je mehr wir in einer wesentlich anders gerichteten Zeit für die Aufrechterhaltung idealer Wertschätzungen zu kämpfen haben, desto wohltuender berührt ein solches Sichzusammenfinden der Geister. Lassen Sie uns, lieber Herr Dr., auch in Zukunft gut zusammenhalten; hoffentlich habe ich im Lauf der Zeit auch einmal das Vergnügen, Sie persönlich kennen zu lernen.
Und dann verbindlichen Dank für die Mitteilung Ihres wertvollen Aufsatzes! Wie tief läßt er in die inneren Bewegungen jener Zeit blicken und mit welchem Respekt muß man einen Staatsmann schätzen, der so sehr sein Handeln auf Überzeugungen tiefster
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| Art gründet! Wir müssen uns heute beide diesen inneren Fragen gegenüber jener Zeit recht klein fühlen. Aber es liegt doch tief im Wesen unseres Volkes angelegt, daß es so auf das Ganze und Innere zurückzugehen vermag, und so wollen wir hoffen, daß diese Art in Zukunft wieder zu kräftiger Entfaltung gelange. Nochmals herzlichen Dank! Sie haben mir durch Ihre Sendungen eine rechte Freude bereitet.
In aufrichtiger Hochschätzung
Ihr ergebener
(gez.) R. Eucken.
Dabei umgeht E. freilich die Kardinalfrage, die ich ihm in meinem am 11. März gesandten Briefe gestellt hatte: Wie weit er das Recht einer Analyse des Strukturzusammenhanges im Geistesleben anzuerkennen geneigt ist. Es mag also sein, daß ihm bereits mein "Troeltsch" ein unerwartetes Ärgernis bereitet. Denn
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| Eucken ist mir nicht positiv genug, als daß ich den ganzen Weg mit ihm zu gehen vermöchte.
Verzeihen Sie, wenn ich heute dieses Thema so ausschließlich behandle. Von erfreulichen Ereignissen habe ich nur noch zu melden, daß Nieschling an die Kadettenanstalt in Naumburg als Erzieher versetzt ist, ein für ihn, die Kadetten und mich sehr segensreicher Umstand.
Nach Ostern beginne ich definitiv den Unterricht - in der Odyssee. Winke sehr willkommen. Sie sehen, ich bin sehr vielseitig thätig, wenn Sie den jetzt stark im Vordergrunde stehenden Verkehr mit Ausländern hinzurechnen. - Reuther ist sehr glücklich über den Erfolg meiner Schrift.
Wenn wir Frieden behalten, soll der nächste Brief ebenso persönlich sein, wie dieser fachlich und sachlich. Herzlichste Grüße von uns allen Ihr Eduard Spranger.