Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 22. Oktober 1906 (Berlin, Postkarte)


L. F. H! Haben Sie meine Stadtbahnzeilen erhalten? Wenn es auch nicht der Zorn war, der mich so zittern ließ, so koche ich doch seit 3 Tagen vor innerer Wut über diesen schändlichen Verrat. Ungefragt ganz plötzlich sich in subalterner Stellung zu erblicken - es ist für mich ein neues Gefühl. Und ich Tor falle auch noch auf den Religionsunterricht in der III. herein; nun wird der Philosoph nächstens Schreiben in der VIII. geben, in Anerkennung seiner "schriftstellerischen" Verdienste. Was das Kollegium eigentlich von mir denken muß, ist mir rätselhaft. Aber ich werde meine Rolle mit Würde zu Ende führen. Es wird nicht <re. Rand> schwer sein, die geeignete Distanz wiederher<Kopf>zustellen. Heute habe ich so ein Gesicht geschnitten, daß "meine Kleinen" in der III. vor Angst klapperten. Aber wir <li. Rand> waren bald wieder fröhlich zusammen. Die Jugend <Mitte> ein Jungborn! Herzlichen Gruß Ihr E. S.