Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich , 15. März 1907 (Charlottenburg)


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Ch. 2. 15.III.07.
Liebes Fräulein Hadlich!
Prinzipiell möglich ist mir Ihr Vorschlag wohl. Aber folgende Gründe möchte ich mir erlauben, dagegen geltend zu machen.
1) Am Freitag sind die Galerien sicher geschlossen, am Donnerstag möglicherweise, weil Sachsen sehr fromm ist. Mittwoch kommen wir vielleicht nicht früh genug. Außerdem ist die ganze Physiognomie der Stadt verändert, man hat kein Feriengefühl; wenn sich die Reise am [über der Zeile] Freitag und Sonnabend vor Ostern für Sie wohl auch nicht ganz vermeiden läßt, so ist sie gerade nach Dresden und von Dresden entsetzlich. Denn dort häuft sich der Ferienverkehr. Nach Ostern wird auch noch viel Leben sein, aber wir haben keine Feiertage,
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| sondern das doppelt schöne Gefühl freier Wochentage. (f. Heidelberg.)
2) Es ist möglich, wennschon nicht sicher, daß ich nach dem Fechnerarchiv in Leipzig muß, und zwar, wenn überhaupt, so in den Osterferien. Am Sonnabend wäre nichts mehr zu machen. Ich müßte also dann zweimal reisen. Das Ob entscheidet sich frühestens in einer Woche.
3) Prof. Fichte will mir in s. Logis Führer, Empfehlungen etc. zurücklassen. Nun bin ich zwar nicht genötigt, auf seine (sehr wohlgemeinten und dringenden) Ratschläge einzugehen und könnte anderwärts wohnen. Das Logis hat aber den Vorteil des Hotel garni, d. h. ich wäre vom Wirt völlig unabhängig. Käme ich nun am Mittwoch dorthin, so säßen Herr u. Frau Professor selbst drin, würden also mich mindestens sehr beobachten. Andernfalls müßte ich Ihnen Gründe für meine
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| Sinnesänderung angeben und sie besuchen. Denn mogelte ich nach Berliner Muster, so würden wir uns sicher vor der Sixtina treffen. Dies alles aber ist nicht ausschlaggebend. Ich prüfe nunmehr wie problematisch die Möglichkeit nach Ostern:
Wenn Sie wünschen, daß ich Sie von Halle abhole, bin ich bereit. Es wäre aber eine genaue Verdopplung des Weges, ohne entsprechenden Gewinn. Vielmehr verlieren wir Zeit in Dresden; denn so kämen wir frühestens am Nachmittag an. Vielleicht wäre es Ihnen (ev!) lieber, schon am Dienstag zu fahren. Sie behalten dann noch einige Ruhezeit in Cassel. Mir wäre das gleich.
Nun entscheiden Sie bitte ganz frei nach Ihrem Wunsche. Obige Gründe sind keineswegs unübersteigbar. Haben Sie dringendere, so stehe ich zurück. Nur das eine sähe ich gern: was nun bestimmt wird,
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| gilt als definitiv.
[Vielleicht erwägen Sie folgendes. Die übliche Route Cassel-Dresden ist über Bebra, Corbetha, Leipzig. (im Sommer ab 11.10. an 6.25. also 7 Stunden.) zurück ab morgens 7.15. an 2.50. Sie könnten dann, falls es zweckmäßig ist, auf dem Hinwege die Strecken Corbetha-Halle, Halle Leipzig, gesondert nehmen, und zurück direkt fahren. Es ist vielleicht etwas billiger*) [re. Rand] *) Wie ich eben sehe, trifft dies nicht zu. als Nordhausen- Halle, Halle-Dresden u. zurück, und Sie sparten auf der Rückreise auch Zeit. Ev., wenn ich nach Leipzig muß, führen wir bis Leipzig zusammen.]
Für heute nichts mehr. Gestern erfolgte bei uns nach einer schrecklichen Scene mit dem Schulrat u. Direktor der Collaps Laabs. Sie wird wohl April gehen.
Herzlichste Grüße in Eile
Ihr Ed. Sp.