Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 31. Mai/1. Juni 1907


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31.V.07.
Liebes Fräulein Hadlich!
Es sind sehr eigentümliche Tiefen, in die ich getaucht bin, während Sie auf den Höhen von Baden-Baden weilten. Da ich nur im Sommer eigentlich lebe, so erlebe ich auch nur im Sommer. Diesmal nun führte mich die Fahrt zu Nietzsche, von ihm zu frohem Kinderspiel am Havelstrand, und endlich in das Leid einer Kinderseele, das mir den ersten Heros eigentlich recht klein erscheinen ließ. Vielleicht ist es unmännlich von mir, daß ich so etwas immer so stark empfinde; aber ich entschuldige mich damit, daß es für mich nicht nur ein Bad des Gefühls, sondern auch ein Streben zu helfen bedeutet. Seit mehr als einem Jahr erzähle ich Ihnen nun eigentlich immer von Kindern, und Sie hören so geduldig zu, als wäre es etwas "Großes". Wir beide können das nur rechtfertigen, wenn es wirklich etwas Großes ist, und dies allerdings glaube ich und halte das Mächtigmachen der kleinen und suchenden Seelen für wertvoller als die Züchtung jener stolzen und kalten Naturen, die auf der einsamen Höhe des Engadin allein gedeihen. Vielleicht ist auch dies ein Mangel, daß man nach der
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| inneren Gemeinschaft der Seelen strebt, statt sich ganz allein im Innersten dem großen Weltgeheimnis gegenüber zu fühlen. Beide Gemeinschaften haben ihre Grenzen; warum sollte man nicht mit vereinter Kraft dem Einen großen Rätsel mehr abringen? Und schließlich leben wir doch ihm gegenüber schon immer unter historischen Vermittlungen. -
Aber davon wollte ich eigentlich garnicht reden. Mir ging so vieles über Nietzsche durch den Kopf, das ich gern mit Ihnen geteilt ist [über dem Gestrichenem] hätte, und jetzt ist alles wieder verflogen um die eine Schulgeschichte - Luise Menz.
Luise Menz, meine zweite, kann nicht erzählen. Sie muß es aber können. Je öfter ich sie nun herannahm, unerbittlich Stunde für Stunde, um so besinnungsloser wurde sie, und jedesmal gab es mühsam unterdrückte Tränen. Schließlich gewann ich den Eindruck: hier liegt eine krankhafte Hemmung vor; wir sagen nervös. In Wahrheit handelt es sich um eine Seele, die nach innen lebt mit tausend Wurzelfasern, die deshalb der Außenwelt gegenüber immer mehr versagt: denn sie ist ja voll von Enttäuschungen und Widerständen. Sie kennen das, denn Sie haben Ähnliches in ähnlichem Alter erlebt, wie dieses Kind. Ich glaube, tief in ihre Seele zu sehen und ihre ganze Unverstandenheit zu ahnen. Ja ich weiß, daß sie mich sehr lieb hat und daß sie deshalb nicht
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| reden kann, weil sie fürchtet, ich könnte unzufrieden sein. Wie aber sollen selbst fein empfindende Seelen sich berühren als durch die Rede?
Am Dienstag auf der Partie, von der ich nachher erzähle, saß sie neben mir auf dem Dampfer. Ich frage sie, ob sie öfter nach dem Grunewald käme, ob sie den Kaiser-Wilhelm-Turm kenne. "Jetzt noch garnicht; früher sehr oft." Was liegt darin für eine Geschichte? Freilich nur ein bißchen seelische Not; äußerlich fehlt ihr ja nichts: warum hat sie auch eine Seele? Ihre Pflegeschwester Emmi hat keine, nur einen Mund!
Nun kam der Klassenaufsatz: Ein schönes Thema: einfache Dinge in eine hohe Perspektive gerückt: "Der Beruf des Dichters - als Bewahrer der Vergangenheit, Verklärer der Gegenwart, Schöpfer der Zukunft." Luise Menz in sichtbarer Not. Alles arbeitet munter, teils prachtvolle (3 ganz überraschend!!) teils mangelhafte Dinge hinschreibend. Ich las inzwischen und sah nur bisweilen ihr trostloses Gesicht. Sie war noch nach 1 Stde beim 1. Teil. Wirklich war ihre Leistung geistig die unzulänglichste; sie hatte beinahe nichts geschrieben.
Sie erinnern sich des Vorfalls im Winter. Ich wußte wohl, daß ich vorsichtig sein mußte. Sonst hätte ich "Ungenügend" schreiben müssen. Ich besprach den Fall mit Frl.
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| Naumann
, der gleichgestimmtesten Kollegin, die sich denken läßt. Aber sie lehnte es ab, mit mir gemeinsam zu handeln, weil L. M. in Englisch gut wäre. Dummerweise lasse ich infolgedessen das Heft im Konferenzzimmer liegen. Bei der Rückgabe sehe ich nun, wie ihre Verzweiflung steigt. Ich habe nie ein so verstörtes Gesicht bei den Mädchen gesehen, wie bei ihr, als das letzte Heft fort war und ich noch immer nichts gesagt hatte. Auch wußte ich noch garnicht, was ich sagen sollte. Denn an schroffem Tadel hatte ich es bei den besseren Arbeiten nicht fehlen lassen. Soll man gerecht sein? Unsinnige Tugend für einen Lehrer. Ich hätte es nicht gekonnt. So sagte ich: "Ja, Luise Menz, Ihr Heft ist oben liegengeblieben. Nicht wahr, Sie haben nicht gewußt, was Sie schreiben sollten? War Ihnen nicht wohl gestern? - Manche hätte hier freudig "ja" gesagt. Sie kämpfte sichtlich und die Nachbarinnen raunten ihr zu: sage doch! Aber kein Wort! --- "Nun, es ist doch wohl möglich, daß Sie nicht disponiert waren. Warum soll einem ein Klassenaufsatz nicht einmal mißlingen. Sie müssen sich dadurch nicht entmutigen lassen. Ich habe Ihnen kein Prädikat gegeben, um Ihnen nicht die Censur zu verderben. Wir alle, Frl. Naumann sowohl wie ich, haben volles Vertrauen zu Ihnen; wir wissen, daß Sie alle Ihre Sachen gewissenhaft machen. Also lassen Sie sich dadurch nicht bedrücken." Nun sah ich, wie ihr Gesicht sich aufhellte
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| und wie die ganze Nachbarschaft mit erlöst war. Die Stunde war zu Ende. Beim Einschreiben bemerkte ich nur noch, wie sie der Helene Schulze, die sehr gut - summa cum laude, besser als ich - geschrieben hatte, um den Hals fiel.
Und das Ganze? Ein Beweis, dass es die schwerste Kunst ist, der Seele zu helfen. Denn ich glaube sicher, daß ich alle Mittel besitze, um gerade ihr Kraft und Gewißheit zu geben; ich besitze sie innerlich, aber nicht äußerlich. Oder wissen Sie einen Weg, wie ich ihr sagen könnte, daß ich mit ihr empfinde und mehr als Deutschlehrer, ein Lehrer zum Leben sein möchte? Darauf aber leiste ich einen Eid, daß der nächste Hausaufsatz sehr gut ist, und wenn sie Tag und Nacht daran sitzen sollte!
Übrigens muß ich hinzufügen, daß der Aufsatz der Helene Schulze wohl das Feinste und Reifste war, was ich je an Klassenaufsätzen gelesen. Ebenso enthielt der von Charlotte Fricke, dem verbummelten Genie, manche Wendung, die ich "geradezu meisterhaft" nannte!

1. Juni.
Nach dem gestrigen larmoyanten Anfang - ich sehe es war ultimo - heut einen kurzen Überblick der Ärgernisse und Freuden in der letzten Zeit. Mit einer großen Offenheit will ich anfangen und zugleich mit einer Verbeugung gegen Frl. Knaps. Denn in der
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| Tat, als ich Ihren vorletzten Brief öffnete und in gewohnter Neugier gleich über das Päckchen herfiel, hielt ich die Initiale, die mir sogleich durch ihre Kunstfertigkeit sehr gefiel, für ein Wäschezeichen, bis Ihre Zeilen mich auf die richtige Fährte leiteten. Sie sehen, wie übel es in meinem Kopf aussieht. Meine Freude war groß, und umso größer mein Ärger, als Diederichs mir die Zeichnung zurücksandte mit höflichen und dankenden Worten auch für Sie, aber mit der Bemerkung, daß er in Ausstattungsfragen seine eigenen Bahnen ginge (folgte eine Erläuterung über Schrift von 1830 - so sieht sie aus, scheint altgekauft) etc. Erst wollte ich ihm einen groben Brief schreiben und hatte schon das Blatt parat; dann aber sah ich die Dornen und sagte mir, daß ich in der Angelegenheit Rousseau künftig weder freudig noch zornig in Affekt geraten will. - Die Initiale aber bewahre ich für Humboldt oder eine andre Gelegenheit, so ja vielleicht das Symbol auch nicht ganz unwahr sein wird.
Auch den Jahresbericht 1903 hätte ich damit zieren können. Denn das Honorar betrug nur die Hälfte des erwarteten (also nicht ganz 75 M.),
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| weil sie den Bogen zu 16 Seiten, nicht wie bei Quart üblich, zu 8, gerechnet hatten. Am 15. Juni liefere ich den für 1904, aber meine Kündigung ist bereits in den Händen der Redaktion.
Inzwischen habe ich Ihnen einen sezierten resz. recensierten Häring geschickt, dem in Kürze mein nachträgliches Dresdener Gastgeschenk folgen wird. Ferner habe ich die prinzipiellen Grundlagen der Humanitätsarbeit in den Pfingstferien auf 30 scharf durchgearbeiteten Seiten fixiert, um sie Paulsen vorzulegen. Auch Fechner ist zum Druck abgegangen; der Verleger schien zufrieden, denn er sandte mir die neuesten Auflagen der 3 Hauptwerke F.s. im Werte von ca. 20 M als Geschenk.
Endlich hat sich der halb erblindete Professor d. Phil. d. A. Geheimrat Vaihinger in Halle mit einem langen eigenhändigen Schreiben an mich gewandt, um mich zum Mitarbeiter der Kantstudien u. Mitglied d. Kantgesellschaft zu gewinnen. Ebenso der Redakteur Dr. Bauch, mit dem ich schon einmal Kirschen gegesssen hatte. Die Mitgliedschaft habe ich abgelehnt mit der Begründung, daß mir die Philosophie nichts einbrächte, ich sie also nicht auch
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| noch bar unterstützen könnte. Im übrigen bin ich kein Unmensch. Nur schreibt man [über der Zeile] an allen Ecken u. Enden etwas hin, und im ganzen hilft einem nachher keiner weiter in der Carriere.
Ein wichtiges Thema möchte ich hier noch in Kürze (doch in Güte - wie vor Dresden) und Offenheit mit Ihnen besprechen: die Sommerreise. Ich dachte an die Nordsee: mag sein, daß sie mir physisch nützt, ev. auch das Gegenteil, jedenfalls ginge ich ohne Neigung hin und würde Gemütsanregung, Wanderfreude, Volkstum, Berge, Grün etc. entbehren. Trotzdem hätte ich den Versuch gewagt, wenn ich finanziell Aussicht gehabt hätte, im Oktober 8 Tage im Kümmelbacherhof oder in Eberbach zuzubringen. Daran ist jetzt kein Gedanke (trotz 5 M Zulage in der Schule!) Nun weiß ich nicht, ob die Extrazüge zu Beginn der Schulferien noch gehen werden. Dann hätte ich Neigung, entweder an einen Schweizer See, aber hoch, oder bayerische Alpen, oder Engadin zu gehen. Hierüber bitte Ihren Rat, oder Ihre nachsichtigen und zum Vergeben geneigten Vorschläge. Doch hätte diese Idee nur dann einen tieferen Sinn für mich, worüber ich jedoch im übrigen zu niemand rede, wenn ich hoffen dürfte, Sie auf der Rückreise in der 1. Hälfte des August in Heidelberg oder seiner Nähe zu treffen. Ist dies nicht der Fall,
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| so betrachte ich Dresden dankbar als Ersatz, hoffe auf die Zukunft und bestimme meine Linie ganz unter Abstraktion von diesem Projekt. Vielleicht erkundigen Sie sich einmal nach hochgelegenen Orten in der Schwäbischen Alp, nähe Lichtenstein oder Hohenzollern? Komme ich zu keinem Resultat, so bin ich auch nicht abgeneigt, wieder nach Freudenstadt zu gehen. Jedenfalls möchte ich Sie nun erst einmal hören, was Sie planen. Denn eine Reise ist für mich auch eine seelische Angelegenheit. Sie dachten einmal an Elgersburg; jetzt nicht mehr? Bei der fortschreitenden Vereinsamung sucht man nicht gerade die Nordsee, sondern etc.
Ich gehe meinen sehr eignen Weg, aus dessen Bahn mich die Mehrzahl der mir begegnenden Menschen nicht werfen wird. Nietzsche aber wird mir insofern bedeutend, als ich mich ernstlich prüfe, wieviel von dem, was ich
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| für wertvoll halte, nur auf Rechnung meines stark entwickelten historischen Sinnes kommt. N. ist für mich ein Revolutionär, kein Führer; aber doch einer, auf den ich höre, keineswegs ein [über der Zeile] nur geisteskranker Tor. Nur scheint mir, daß das, was er will: Mächtigmachen der Menschenseele schon seit undenklichen Zeiten gelehrt wird, ja ich verstehe auch das Christentum, nicht nur Alt- u. Neuhumanismus in diesem Sinne. Uneinigkeit ist nur über das Wie und den Weg. Ich habe da von Nietzsche gesagt: "Seine Lehre ist ein Ziel, kein Weg, ein Lebensferment, keine Lebensform." Auch Goethe hatte doch schließlich faustischen Drang in sich und lehrte doch "den Menschen, der sich überwindet". Wie viel Überwindung gehört zur Entfaltung der höchsten Lebensmacht, das ist die Frage. Das ursprüngliche Christentum verlangt ein Zuviel an Überwindung, Nietzsche zu wenig. Er redet nirgends von der Realität
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| und dem Möglichen, sondern nur von dem Seinsollenden. Dichten läßt sich Unendliches. Aber wie schwer bildsam ist der Mensch, wie unendlich verwachsen in seine Lebensumgebung, wie unselbstständig trotz seines kühnen Fluges! Auflösen ist leicht, Freiheit bringen schön; aber wozu bedienen wir uns der Freiheit (s. frz. Revolution) und können wir sie ertragen?
Ganz schrecklich ist diese Elisabeth-Förster-Nietzsche. So ganz kritiklos weiblich aufgehend in Haß oder Liebe verwäscht sie den ganzen historischen Nietzsche; sie ist geradezu eine Gefahr für Deutschland. Wenn Ehrfurcht zum Menschen gehört, so war N., was er sich nennt: ein Ungeheuer. Wie muß er die Köpfe verrücken, wenn jeder Jammerkopf sich für ein Edelexemplar hält und die größten Geister nur als Begriffskrüppel geschätzt werden! Doch davon - nicht genug - aber Schluß!
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Nun nur noch die Partie - ein Stückchen Sonnenschein. Die IIa hatte mich eingeladen. Frl. Nauman leitete die Partie, Frl. Lehmann u. Mutter Schulze kamen außer mir mit. Wannsee, Kleists Grab, Dampfer bis Pfaueninsel. Anfangs fand ich garkeine Berührung; ich sagte mir mit giftiger Verstimmung: hier sind bloße Kinder, die verstehen dich nicht. Aber ein Wettlauf mit Lotte Togotzes nach Nicolskoe hinauf brachte Laune. Von da an war ich das Centrum des Vergnügens: Zeck, Kienäpfelschlacht, faule Witze, scherzhafte Gedichte wechselten ab rund um die Pfaueninsel herum. Die Mädchen bekamen ordentlich Mut und waren ein Herz und eine Seele mit mir. Freilich mußte ich so viel Laufen, daß ich noch heute infolge einer Muskelanschwellung mich nur mit Mühe die Treppen hinaufschleppe. Aber für soviel sonnige Harmonie tut man es gern. Selbst die Padden faßte ich todes
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|mutig an. Das Schönste aber inscenierte ich zum Schluß: Die große Schlange. Ich der Kopf u. der Giftzahn, mein Schirm der Hals, die ganze Gesellschaft angefaßt zu 17 hinter dem Schirm, so ging es in endlosen kurzen Windungen zwischen den Bäumen einher, daß der Wald vom Gelächter schallte und Frl. Naumann ganz erstaunt war. Noch in der Bahn die muntersten Scherze, deren einer mich freilich am nächsten Morgen um 8 Uhr wenig angenehm überraschte: man hatte mir einen schönen Kuchen auf dem Katheder aufgebaut, um dessen schnelles Verschwinden ich bitten mußte. - Ich mußte lachen, wenn uns Ausflügler begegneten, wie alles um mich herumkluckte.
So etwas kommt nicht wieder. Hoffentlich aber bleibt es in der Erinnerung. Ist es doch für mich selbst auch ein Beweis, daß man bei der ernstesten Auffassung des Lebens sich die Heiterkeit bewahren
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| kann. Die Zukunft ist so anders als die Jugend. Deshalb aber ist die Jugend nicht unwahr. Dies ist und bleibt meine Überzeugung. Deshalb liebe ich die Jugend und fürchte mich, innerlich oder äußerlich von ihr getrennt zu werden. Und wenn sie mich wieder liebt, so ist mir das mehr als all der literarische Einfluß, den ich auch besitze und aus dem ich nichts zu entwickeln vermag.
Es kann sein, daß ich wieder etwas übergehe, aber ich schreibe, was mir im Herzen liegt. Jetzt noch einige Lokalnachrichten. Erwin Seidel aus Würzburg war bei mir. Er will Sie in Heidelberg im Juni besuchen, ich weiß aber nicht, ob er Wort hält und halten kann. Er ist mein erster Zögling und ein Idealist, wennschon kein reifer. Hingegen soll mein Freund und Lehrer Serwacinski aus Treuenbrietzen hoffnungslos krank sein: er trägt ein großes Stück
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| meiner Vergangenheit. - Von Nieschling ein Brief in etwas froherer Tonart. Kügelgen schweigt.
Morgen Partie mit Paulsens Töchtern. Das Wetter ist schlecht, und ich nicht auf dem Posten. Nun Schluß und hier noch die Rec. über Hermanns Diss, nach der Sie fragen.
D. L. Z. "Die Schrift ist in d. Hauptsache eine Wiedergabe der Hegelschen Lehren. Die ausschließlich immanente Kritik ist sehr knapp gehalten. Erfreulicherweise betont sie gegen die landläufigen Auffassungen von Hegel als einem einseitigen Intellektualisten die Willensmomente seiner Persönlichkeit u. s. Systems, aber ohne ausführliche u. aus dem Ganzen der Weltanschauung erhobene Beweise zu erbringen. Auf die strittige Auffassung des Religionsbegriffs ist nicht eingegangen. Der Ertrag der Kritik bleibt somit
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| gering.
gez.
Heidelberg     Emil Ott
Ende der Abhandlung; aber vor der 2. Hälfte des Juni darf ich nicht hoffen, zum Schreiben zu kommen. Darum viele herzliche Grüße von uns allen und Dank für die Karte aus Baden-Baden, wo P natürlich längst nicht mehr war.
Herzlich
Ihr
Eduard Spranger.

Viele Grüße an Frl. Knaps. - A. Ruge tut mir leid.