Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 21. August 1907 (Berlin), Postkarte


<Datum 21. 08. 1907 vgl. Ende des Textes!>
L.F.H! Da ich gerade an einer Post vorbeikomme u. für die nächsten Tage leider nicht ein Schimmer von Hoffnung, zum Briefschreiben Ruhe zu finden, ist, so will ich noch einmal für die mannigfachen, mich innig erfreuenden Zeichen des Gedenkens in P. mit diesem kurzen Verfahren provisorisch danken. Ihr Brief, die freundliche Karte aus der (innerlichst bekannt) Concordia in Churwalden und besonders die Catta trifolia von heute, fallen als Sonnenstrahlen in die wetterwendische Berliner Atmosphäre. Es gibt hier wenig Neues, doch einiges Fatale: Stumpf ist Rektor, P. (in Starnberg) war zum Schluß des Semesters wieder krank. Meine geschäftlichen Angelegenheiten gehen alle nicht recht glatt; um so besser die intern wissenschaftlichen. Ich habe einen großen Schritt vorwärts getan. - Die Klasse ist recht regsam. Schmerz und Wut zugleich bereitete es mir, daß der Pflegevater L. Menz u. Dora Menz gestern ohne Angabe von Motiven nun doch aus der Schule genommen hat. Wir haben sie nicht mehr gesehen. Ist es möglich, daß der Trieb zum Sinnlosen so mit dem zum Unheilsamen verbunden sein kann? - Hahn ist Redakteur der großen dtschen Ztschr. die Glocke in Chicago geworden. Ich soll nun kräftig mit am Strange ziehen. Wie lange bleiben Sie in P. Ist es nicht sehr kalt? Besonders zum Malen? Frl. Sch. wird Frl. K. unterstützen, Sie vor Leichtsinn zu bewahren. Mir allein gelang es bei den Pannekuken nicht. <li. Rand> Es freut mich herzlich, daß Sie sich glücklich u. zufrieden fühlen. "Fahren Sie so fort." <re. Rand> "Es soll Ihr Schade nicht sein". Mit dreiseitigen Grüßen von drei Seiten stets Ihr <Kopf> Eduard Spranger.
Ziertmann war bei Ruska./ Hist. Sem. einsam 21.VIII.07