Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 27. August 1907


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27.VIII.07.
Liebes Fräulein Hadlich!
Eben erhalte ich Ihren lieben Brief, wo ich meine gestern geschriebenen Zeilen absenden will. Alles, was Sie Gutes berichten, erfreut mich herzlich. Weniger zufrieden bin ich mit den Nachrichten über Ihr Befinden. Ich schrieb ja schon gestern, daß ich Sie lieber anderwärts wüßte; denn Parpan ist nichts für Ende August. Also wünsche ich Ihnen beiden innigst glückliche Reise. Scheiden Sie mit schönen Erinnerungen und mit kräftigster Gesundheit.
Über den andren Punkt, den Sie berühren, kann ich nicht ganz mit Ihnen übereinstimmen. Sie wissen, daß ich zu Ihrem Urteil, ja selbst zu Ihrem Gefühl das höchste Vertrauen habe. Deswegen nehme ich an, daß Sie zu dem ungünstigen Urteil über "Die Betreffende" volle Veranlassung haben. In der
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| mystischen Form aber, wie Sie mir das mitteilen, kann ich weder eine Richtschnur zum Handeln noch zum Denken für mich finden. Kann ich ihr weiter schreiben, kann ich es nicht?
Es tut mir leid, daß dies ein Mißklang für Sie war. Meine Absicht war, Sie mit einer Person zusammenzuführen, die Ihnen persönliche Grüße von mir aus Ch. bringen könnte, außerdem war es eine Dame, von der ich in wiederholtem stundenlangem Beisammensein einen sehr sympatischen Eindruck empfing, ja die mir wohlgetan hat. Ich habe mir mit Bewußtsein ein Bild von ihr gemacht, so daß ich nicht die Grenzen sah. Ich weiß, daß sie relativ strenge Katholikin ist, daß sie der Familie Veraguth gegenüber sich sehr unfein gehalten hat, daß sie über Menschen urteilt, auch wo man Schweigen von ihr erwarten würde. Dies alles aber sind Eigenschaften, die ich ertragen konnte, weil ich das Zusammensein in der Sommerfrische nicht als Humanitätsübung betrachte, am wenigsten unter diesen Menschen, von denen sie ganz entschieden die beste war. - Sie werden verstehen, weshalb ich auf diese Frage zurückkomme. Ehe Sie mir nichts Näheres geschrieben haben, betrachte ich die Korrespondenz mit ihr als abgebrochen.
Herzliche Grüße
Ihr E.S.
[li. Rand] Was ihre innere Ausgeglichenheit betrifft, so war ich ihr besonders dankbar, als sie mir sagte, daß sie immer noch nicht <re. Rand> so ruhig sein könnte, wie sie wohl wünschte. Überhaupt deuchte mich vieles verwandt, ob mit Recht?