Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 5. Januar 1907 (Kassel)


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Cassel. 5. Jan. 1907.
Lieber Herr Spranger.
Heut muß ich mit einer Bitte kommen. Meine Freundin schreibt mir, daß im Januar in H. eine Ausstellung einheimischer Künstler stattfinden soll. Da muß ich natürlich auch was beisteuern u. hätte dazu unter anderem sehr gerne den Wasserfall! Dürfte ich sie wohl bitten, ihn mir dazu zu schicken? Es tut mir leid,
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| Sie mit dem Dings zu bemühen, aber ich habe nicht allzu viel u. es liegt mir doch was dran nicht durch gänzliche Unwesenheit zu glänzen. Bitte schicken Sie ihn doch Ende der Woche nach H. Ich denke Mittwoch dort zu sein, früher würde er womöglich nich sicher nachgeschickt.
Über Ihren heutigen Brief habe ich mich sehr gefreut. Ich schicke Ihre Bilder bald, hoffe dann auch mal wieder zu schreiben. Stoff hätte ich genug, aber in den letzten Tagen drängt
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| sich immer allerlei, sodaß ich möglicherweise erst zu Haus dazu komme. Ich bin froh mich doch wirklich etwas erholt zu haben. Es ging mir miserabel zu Anfang der Ferien, wenn auch nicht so schlecht, wie in September. Hoffentlich hält es nun bis zu den nächsten Ferien. Es ist zum Verzweifeln, wenn man so wenig zur Arbeit taugt.
Hermann müssen Sie nicht böse sein. Er ist recht verstimmt u. wohl empfindlich eben; denken Sie doch, daß der arme Junge jetzt
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| dienen muß! Da müssen Sie doch Mitgefühl u. Nachsicht haben.
Nachher kommt er zu uns zu Kartoffelpfannkuchen. Soll ich Ihnen auch ein paar backen? Er wäre gewiß sehr friedlich u. vergnügt, wenn Sie sich mit ihm nicht schriftlich-metaphysisch sondern mündlich-materiell verständigten!
Mit herzlichem Gruß
Ihre
Käthe Hadlich