Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 14. März 1907 (Bahn nach Schwetzingen)


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In der Bahn nach Schwetzingen
14.III.'07.
Lieber Herr Spranger.
Keine Antwort auf Ihren lieben Brief, der mich so erfreute u. den ich schon sehr erwartet hatte - nur einige Einzelheiten u. Anfragen über den Dresdener Plan. Ich freue mich unendlich, wenn etwas daraus werden sollte, u. hoffe, es soll uns Beiden gelingen.
Zunächst die Beruhigung, daß es wirklich speziell Dresden ist, das an sich mir schon lange als Reiseziel vorschwebte. Wenn ich nun dort mit Ihnen zusammen sein könnte, so wäre das natürlich besonders schön. <ein Wort unleserlich> für ein Zusammentreffen hätte sich ja sonst wohl auch ein bequemer gelegener Ort finden lassen. - Was nun die Zeit anbetrifft, so ist mir nach mancherlei Richtungen hin eigentlich die Woche von Palmsonntag bis Ostern günstiger gelegen.
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| Glauben sie wirklich, daß in dieser schlechten Jahreszeit so viel Reisepublikum dort wäre, daß es uns finden könnte? Oder sind Sie selbst um diese Zeit verhindert? Meine Freundin in Halle wünscht meinen Besuch am liebsten für die Osterfeiertage, also müßte Dresden sich vorher oder nachher anschließen. Sehr angenehm wäre es mir, wenn ich nachher noch eine Woche Ruhe in Cassel hätte, da ich wie Sie wissen, leider nicht sehr kräftig bin u. die Vergnügungsstrapazen mich sicher nur anstrengen werden.
Mein Wunsch wäre es nun, am Dienstag, d. 26. nach Dresden zu fahren, (würden Sie eventuell den Umweg über Halle machen u. schon dort mit mir zusammentreffen?) u. dort Mittwoch, Donnerstag, Freitag, teils Stadt u. Kunst, teils Natur zu genießen
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| u. am Sonnabend wieder in Halle zu sein? Ist Ihnen das zu lange? Ich kann an Museen u. sonstigen Kunstgenüssen immer nur wenig auf einmal aushalten u. dächte es mir besser, nicht zu viel in zu kurzer Zeit zu häufen.
Schreiben Sie mir ehrlich, wenn Ihnen dies nicht paßt. - Für mich hat sich eine Schwierigkeit ergeben, dadurch, daß die Braut meines Bruders für Ostern nach Cassel kommen wird, aber ich kann schließlich deswegen nicht alles andre aufgeben, sondern möchte ohne Rücksicht darauf meine eignen Pläne ausführen. Ich werde sie jedenfalls vorher oder nachher noch antreffen, u. sie kommt doch schließlich nicht meinetwegen!
(Auf der Rückfahrt.) Die Stunde war nett. Hansel ist ein liebes, fleißiges
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| Mädel u. hat viel Anlage. In der Wahl der letzten Aufgabe hatte ich mich vergriffen. Es war zu schwer, aber wir haben es hartnäckig durchgeführt. -
Doch zurück nach Dresden! Wegen der Wohnung habe ich allerlei Adressen, bei denen ich anfragen werde, sobald die Tage genau bekannt sind. Machen Sie sich also über mein Unterkommen keine Mühe, wenn ich garnichts Passendes finde, rufe ich Ihre Hilfe an. Wie es scheint, ist die Fremdengegend hauptsächlich in der Nähe der Bürgerwiese.
Heut schneit es wieder, jetzt scheint die Sonne. Es kann ja sein, daß das Wetter, morgen, eine Woche später günstiger wäre, aber hat uns das Wetter in Potsdam gestört? Also wenn Sie Zeit haben, schreiben Sie mir bitte nur kurz, was Sie zu meinen Wünschen sagen. Hoffentlich sind Sie wieder gesund? Ich vertraue darauf, daß uns in Dresden wohltuender Sonnenschein beschieden sein wird. Mit herzlichen Grüßen an Ihre lieben Eltern u. Sie
Ihre Käthe Hadlich.

[Kopf] Verzeihen Sie das schreckliche Geschmier!