Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 27. März 1907 (Kassel)


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Cassel. 27.III.07.
Lieber Herr Spranger.
Also Sie hatten natürlich Recht, wie könnte es anders sein! Der Himmel aber scheint es mit mir zu halten, denn so entzückende Frühlingstage wären für unsre Pläne recht wünschenswert gewesen! Wir haben - der Vetter Hans, den Sie kennen u. sein jüngster Bruder sowie ich - gestern einen herrlichen Spaziergang in Wilhelmshof gemacht, u. haben dabei festgestellt, daß
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| Böcklins Flora mit den roten Sammetschuhen schon vor uns über die quellenüberrieselten Wiesen gegangen war. (s. o.). Hans ist leider sehr, sehr nervös, hoffentlich tun ihm Luft u. Sonne gut. - Wie geht es Ihnen jetzt? Machen Sie auch jetzt Ferien? Ich fürchte, wohl kaum.
An Aenne denke ich auch mit Sorge, das anvertraute Nichtchen ist krank, die Großmutter auch sehr erkältet u. da werden Tag u. Nacht große Ansprüche an meine ohnehin ziemlich angegriffene Freundin gemacht.
Ich ergebe mich dem Morphium,
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| das mir immer prachtvoll hilft, u. bin schon fast gesund. Mir gehts auch immer schon besser, wenn ich nur die Sonne sehe. - In Dresden habe ich ein Zimmer versprochen in Pension Unity, Lüttichaustr. 26, also ziemlich nahe am Hauptbahnhof. Ich habe mich nur für Logie u. Frühstück dort verpflichtet, bin also sonst unabhängig. Für die Verbindung mit der Stadt von dort wird es Elektrische geben.
Ich frage nicht gern nach Dingen, die man mir nicht freiwillig mitteilt, aber ich vermißte doch schmerzlich ein Wort
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| über den Schulschluß in Ihren Zeilen. - Nun, dann also mündlich. Wolfsschlucht oder Dilsberg?
Ich bin so ungeheuer friedlich, aber wer kann wissen, wie ich gereizt werde?!
Herzliche Grüße!
Käthe Hadlich

[] Kurt hat mir einen Führer für Dresden u. die Sächs. Schweiz gegeben (Mayer 1903). - Nein, ist das heut ein Frühlingstag! "Die Fenster auf, die Herzen auf geschwinde!"
[Kopf] Es wird ja nichts mehr dazwischenkommen. Sonst ist meine Adresse in Halle von Samstag bis Montag bei Frau Prof. Scheibe. Lindaustr. 4.