Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 24./25. Juni 1907 (Heidelberg)


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Heidelberg. 24.VI.07.
Lieber Freund.
Es ist zwar keine Aussicht, daß ich heute einen vernünftigen Brief zustandebringe, denn Tinte u. Geist sind beide verdunstet! Die Tinte habe ich mit Eau de Cologne verlängert, aber womit solle ich den Geist aufhelfen? Es ist nicht so sehr die Hitze, die mich so unfähig macht, als vielmehr, daß ich ein paar Tage Fieber hatte. - Aber ich weiß, es braucht eigentlich keiner Versicherung, mit wie herzlichen Wünschen ich Ihnen
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| zum 25jährigen Lebensjubiläum gedenke. Möge das nächste Vierteljahrhundert wie bisher segensvoll als freudig aufsteigender Lebensweg für Sie verlaufen. - Besser als meine Worte es heute können, soll Ihnen meine Handarbeit meiner Gedanken Gesinnungen u. Wünsche aussprechen. Es ist ja nur ein sinniger Gebrauchsgegenstand weil ich halt keinen besseren Einfall hatte, aber es würde mich freuen, wenn er Ihnen dienlich sein könnte, wenn recht viele Ihrer schönen, "zeitlose" Gedanken auf dieser Schreibunterlage zu Papier kämen. Das Ding ist in allem meine eigne Arbeit u. ich hoffe nur, daß es auch in der Größe zweckmäßig ist?
25.V. Eigentlich hatte ich doch gehofft,
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| noch einmal Nachricht von Ihnen zu bekommen, das wäre auch in meiner "Einzelhaft" eine liebe Unterhaltung gewesen. Aenne war viel bei mir, jetzt bin ich aber am Gesundwerden. Da wird sie nicht mehr so oft kommen können. - Etwas Interessanteres habe ich in der Zeit weder gelesen noch erlebt. Ich hatte ziemlich viel im Freien gemalt, von Cassel sind die Nachrichten spärlich u. leider über meinen Onkel recht schlecht. Man hat immer neue Sorgen. Hoffentlich geht es Ihnen allen gut u. Sie feiern Ihren Geburtstag recht froh. Ich werde in Gedanken herzlich daran teilnehmen. Hoffentlich macht Ihnen mein Angebinde ein bischen Freude, u. erweist es sich als praktisch, ein stummes, aber stets bereites Werkzeug
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| in vielen schaffensfrohen Stunden!
Das nächste Jahr wird durch das Aufhören der Lehrtätigkeit große Veränderungen bringen, aber ich weiß, daß Sie mit Kraft u. Sicherheit Ihren Weg weitergehen, Schwierigkeiten besiegen, zielbewußt alles, was das Leben bringt, der Entwicklung u. Erweiterung Ihres Daseins dienstbar machend.
Für heut lassen Sie sich an diesem Gruß genügen, das nächstemal hoffe ich wieder umgänglicher zu sein.
Grüßen Sie Ihre lieben Eltern u. seien Sie selbst herzlich gegrüßt. Sie wissen daß Sie stets in Gedanken mit treuen Wünschen u. herzlicher Anteilnahme an all Ihrem Erleben begleitet in treuer Freundschaft
Ihre
Käthe Hadlich.