Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 25. Juli 1907 (Heidelberg)


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Heidelberg. 25. Juli 1907.
Lieber Herr Spranger.
Dank für Ihren lieben Brief u. die Karte, die ich vorhin erhielt. Es freut mich, daraus zu entnehmen, daß es Ihnen jetzt gut geht u. daß das Wetter auch dort günstig ist.
Eine Antwort müssen Sie heut nicht von mir erwarten, denn wir haben 21° im Schatten u. ich bin sehr müde. Aber erstlich wollte ich Ihnen doch wieder mal einen Gruß senden u. dann habe ich ein Anliegen. Es hat sich jetzt endlich entschieden, daß Aenne u. ich wahrscheinlich am 9. oder 10. August reisen können u. da haben wir an Ihre Hülfe für unser
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| Unterkommen dort gedacht. Finden Sie diesen Anschlag sehr unbequem? Oder wären Sie mal so gut in Parpan im Stätzerhorn anzufragen, ob ein gutes Zimmer mit 2 Betten vom 10. August ab auf 2 - 3 Wochen zu haben wäre? Pension wäre wohl 7 Frcs. wenn es notwendig ist, geben wir auch 8. Bitte, verhandeln Sie mal für uns u. wenn möglich, sehen Sie das Zimmer an. (Sie wissen, wir sind für gute Luft u. scheuen eine gewisse Nachbarschaft, die uns in Churwalden zu Teil wurde). Es läge uns natürlich daran, möglichst bald Auskunft zu haben, wenn es Ihnen wohl möglich ist, u. daß das Zimmer nicht zu klein sei! Bitte teilen Sie uns also recht bald mit, was zu haben ist u. zu welchen Bedingungen;
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| unter Umständen, wenn es Ihnen günstig scheint, nehmen Sie es gleich für uns.
Ich freue mich recht auf die Ferien, denn ich bin noch nicht wieder sehr bei Kräften, aber spazieren gehen kann ich schon länger wieder. Also kommen Sie nur, hier ist es auch schön u. ich wandre so gern mit Ihnen im Neckartal.
Was ist das für ein Brienz, wo Sie waren? Passug ist die reine Zwangsanstalt, aber schön gelegen. - Haben Sie denn keine Lust, das Rheintal hinauf von Ilanz nach Göschenen zu wandern? Dann an den Vierwaldstätter See u. eventuell ohne Zürich direkt Olten-Basel? Das ist doch kein Vergleich mit dem Walensee. Von Göschenen bis Flüelan Berha, dann bis Brunnen die Achsenstraße, dann Schiff
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| nach Luzern. Es ist allerdings empfehlenswert, in Brunnen (Adler) u. in Basel zu übernachten, Luzern ist immer überfüllt u. schrecklich teuer. Ich habe gehört, daß man dort stundenlang vergeblich nach einem Logis suchen kann.
Am Walensee ist das Murgtal interessant u. es ist ja überhaupt recht schön mit seiner entzückenden, grünen Farbe, aber der andre ist eben doch bedeutender. Allerdings vielmehr Fremdengewimmel. - Wenn Sie in Churwalden halb Berlin haben, so hätten Sie im Berner Oberland es ganz. Das berlinert da um einen herum, daß ich im vorigen Jahr dachte, in Grunewald zu sein. - Wie freue ich mich, wenn ich Sie endlich einmal wieder sprechen werde, - (das kam mir nun allerdings nicht vom
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| "berlinern"!) - es kommt mir vor, als hätte ich Ihnen recht viel zu erzählen. Schade, daß wir unsre Ferien nicht gleichzeitig hatten, die Nähe Parpan, Churwalden hätte doch manches nette Zusammenkommen möglich gemacht. Aber eigentlich geht es mir wie Ihnen, daß es mir hier in H. am liebsten ist. Ich hoffe nur, daß Sie die Zeit nicht ganz kurz bemessen.
Aenne hatte inzwischen eine recht unangenehme Halsentzündung u. ist infolge dessen sehr angegriffen. Wir brauchen beide die Erholung.
Auch aus Cassel kam die Nachricht von einer Art Rückfall, die mir Sorge macht. Wenn es nur überhaupt besser wird, u. nicht nur ein lang
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|wieriges Siechtum giebt! Es war viel Unruhe, viel Schwierigkeiten auch für unsre Pläne u. ich bin froh, daß man nun endlich etwas bestimmen konnte. Allerdings kann ja immer noch was dazwischenkommen. - Am 6. Aug. ist hier eine Schloßbeleuchtung, ob Sie das interessiert? Dann müßten Sie aber doch sorgen, daß Sie noch einen Abend - für den Dilsberg hier wären. Das wünsche ich mir sehr.
Also für heute genug. Wenn es weniger heiß ist u. ich frischer bin, beantworte ich Ihren letzen Brief, der merkwürdig in meinen eignen Gedankengang paßte. Es kommt mir oft vor, als ob gewisse Gedankenzusam
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|menhänge mit innerer Notwendigkeit sich entwickeln u. ablaufen u. wenn zwei von ähnlichen Voraussetzungen herankommen, sich auch ihre Resultate decken müssen. Es hat bei mir immer alles den Charakter individueller Erfahrung u. innerer, unmittelbarer Notwendigkeit, was bei Ihnen reflektiert u. in allgemeinem, wissenschaftlich durchleuchteten Zusammenhange erscheint, aber im Geist fühle ich eine tiefe Übereinstimmung. Und jetzt fürchte ich auch keine "Intoleranz" mehr!
Herzlichste Grüße u. im voraus Dank für alle Mühe, die wir Ihnen machen. Schreiben Sie auch von Ihren eigenen Plänen. Ich möchte immer gern wissen, wo Sie gerade sind, ich
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| kenne doch die Gegend größtenteils.
Ihre
Käthe Hadlich

[] Was ist das mit dem reichen Kornbauern? Das weiß ich natürlich wieder nicht.
Was sind Sie so französisch angehaucht, Sie sind wohl schon ein halber Schweizer?