Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 11. August 1907 (Parpan), Postkarte


Parpan. 11. Aug. 1907. L. H. Spr. Da sind wir nun also wirklich und sind ganz entzückt von der Gegend, der Luft, dem Hotel u. vor allem vom Zimmer. Es ist zwar nicht No. 10, das nicht frei wurde, sondern 2, also das gleich darunter. Es ist uns äußerst behaglich darin u. wir gedenken Ihrer immer dankbar. Ich glaube wir haben noch nie so schön gewohnt in der Sommerfrische. Das hat uns das Einleben recht erleichtert nach einem recht ungemütlichen Tage mit <folgende worte unleserlich> für Unterkunft. Die Wirtin ist sehr freundlich, die Gäste fast nur Schweizer, sehr ablehnend. Ist uns <satzteile unleserlich> Sonst ist alles viel besser, als in Churwalden , viel reinlicher, das Essen sehr gut, auch das Publikum ist um verschiedene Grade gebildeter. Die Reise hatte uns recht mitgenommen u. wir sind nun froh, in Ruhe zu sein. Heute Nacht freilich, denke ich schon darüber nach, wie wir wieder fort können, denn Aenne hatte heftige Halsschmerzen u. Herzklopfen, hat kaum geschlafen. Aber heut ist alles viel besser u. es wird zum Glück keine Angina, die ich im gleichen Zimmer sicher auch bekommen hätte. Heute morgen waren wir in dem kl. Wäldchen, sind noch gar nicht tatendurstig, gehen nur in Fuß <wort unleserlich> von etwa 100 m rundum etwa die letzten <worte unleserlich> hat sich neu angestrichen u. ein schauerliches Zinkdach statt der Schindeldeckung, der ganze Reiz ist fort. Das Rothorn sitzt in Wolken, aber hier im Tal schaut die Sonne über Wiesen u. Wald. - Es gibt hier sehr viel Bäume!    u. ich freue mich meines Lebens. Wir grüßen Sie herzlich u. ebenso herzliche Grüße an Ihre Eltern. Hoffentlich höre ich bald daß es Ihnen allen gut geht. Bald mehr von Ihrer Käthe Hadlich.