Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 30. August 1907 (Parpan), Postkarte


Parpan. 30. Aug. 07. L. H. Spr. Morgen früh um 6 Uhr geht es hier fort, leider nicht zur Via Mala sondern direct über Chur. Da will ich Ihnen doch noch einen herzlichen Gruß aus dieser idealen Sommerfrische senden. Wir waren auch noch mal in Churwalden, am letzten Sonntag, um Frl. Sch. zu besuchen, die so feindlich ausgerückt war. Bitte, lassen Sie sich in Bezug auf sie ganz von Ihren eignen Eindrücken leiten. Ich stimme Ihnen darin völlig bei, u. werde, da Sie es wünschen, noch von den meinen berichten. Es täte mir sehr leid, Sie gegen die Dame einzunehmen, wozu ich garkeine Veranlassung hatte. Meine Erfahrung von ihr war lediglich meine eigne Schuld. - Ich habe ihr zum Abschied ein Skizzchen von ihrem "geliebten" Piz Forbice gegeben. Hoffentlich hat ihr Befinden sich "da unten" bald wieder gebessert. Wir fühlen uns recht recht erholt, u. wenn ich nicht immer noch Reste von den dummen Rückschmerzen hätte, wäre ich ganz gesund. Ich habe noch allerlei gemalt. Es ist zu schön hier! bei den stummen Bergen. Vielen Dank für Ihren lieben Brief. Ich antworte bald. - Morgen Nacht sind wir in Konstanz, übermorgen wieder in H. Vormittags Mainau. - Es war noch recht warm, entzückendes Wetter, seit gestern aber <ein Wort unleserlich> Gewitterregen, hoffentlich verregnet uns der Bodensee nicht. - Ich freue mich, daß Sie regelmäßig Ausflüge machen, u. vor allem, daß Sie so befriedigt arbeiten können. Der Aufs. über Euckens Rel. Phil. ist mir so besonders lieb. Was mir vielleicht mal an Worten fremd ist, übersetze auch ich in "meine Sprache." Also dennoch im Einverständnis u. mit herzlichsten Grüßen von uns zwei an Sie u. Ihre Eltern. Traulich Ihre K. H.