Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 18. Februar 1908 (Charlottenburg, Postkarte)


18.II.08.
Liebes Fräulein Hadlich! Sie haben recht, schelten Sie; aber einen Schuldigen treffen Sie nicht, höchstens einen Bedauernswerten. Der "angefangene Brief" liegt da; ich daneben. Er ist antiquiert durch eine Reihe von Vorgängen, die, objektiv gering, mein Gemüt sehr alterierten. Ich wollte Ihnen nicht anders als ausführlich schreiben; aber ich kann nicht. Ich selbst leide unter diesem Verzicht am meisten. Denn der Mangel an Teilnahme hier verbittert mich. Aber ich habe keine freie Stunde. Schuld ist Steglitz, die Schulrevision, mein Onkel (die Operation scheint sehr gut gelungen.) Leitzmanns Anliegen und das Geschäftliche. Morgen u. übermorgen nicht eine verfügbare Minute; dabei schwach bis zur völligen Ausgabe. Nur wenn ich gegen jede Ungeduld stumpf werde, komme ich durch. Also bitte, haben Sie noch ein wenig Geduld. Es sind gewiß nur äußere Gründe; an Küg. habe ich seit 1. I. nicht 1 Brief schreiben können. Und auch davon seien Sie überzeugt: wenn ich gesund bleibe, steht alles gut. Daß Sie es sind, freut mich.
Herzlichst Ihr
Eduard Spranger.