Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 21. Mai 1908 (Heidelberg)


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Heidelberg. 21. Mai 08.
Lieber Freund.
Es ist mir unmöglich, einen längeren Brief zu schreiben, obgleich er angefangen u. der Stoff endlos ist. Darum für heute nur endlich Dank für Ihre Sendung, Antwort auf alles folgt bald.
Wir haben 23 ° R im Schatten, Aenne ist im Odenwald: Erbach, Michelstadt, wohin ich gern mit wäre, aber ich kann
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| nicht, habe morgen große Putzerei, was vor meiner Reise durchaus noch sein muß. Und die Reise wird also wohl was werden. Fast habe ich noch nicht den Mut, mich recht darauf zu freuen, weil ich immer fürchte, es könnte noch vereitelt werden. Vielleicht kommt Hermann für den 1. u. 2. Festtag auch. Das wäre doch fein.
Wie geht es Ihren lieben Eltern? - Die Sache mit den Manuskripten von Humboldt beschäftigt mich sehr. Es ist eine recht unliebsame Ver
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|zögerung, aber doch wohl besser daß es jetzt herauskam, als noch später? Nichts desto trotz denke ich immer mit Freude an diese Ihre Arbeit, u. das kleine Vierblatt soll Ihnen viel Gutes dafür bedeuten. Auch aus den 2 bisherigen Aufsätzen habe ich mit Anteil eingehender von Humboldts innerer Entwicklung erfahren. Ihre Schilderung weckt mir den Eindruck eines lebensvollen, durchgeistigten Bildes, u. mit Interesse vertiefe ich mich in die Züge, - wie bei einem Rembrandt!
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Wenn alles gut geht, denke ich am 3. Juni nach Cassel am 4. von dort nach Berlin zu fahren. Könnten Sie mich dort um 5.48 am Anhalter Bahnhof treffen, so würde ich suchen, eine weitere Abholung zu verhüten. Sonst kommt wohl die Tante!
Heut also nur eilig aber treulich diesen Gruß an Sie u. Ihre Eltern.
Wie immer
Ihre
Käthe Hadlich