Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 19. Juni 1908 (Berlin)


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Nun muß ich Sie wieder verlassen, mein lieber Freund, u. in meinen stillen Heidelberger Kreis zurückkehren. Ich hoffe, daß ich Ihnen mit der Zeit von dort immer häufiger als bisher von überwundenen Schwierigkeiten berichten kann. Dem Schicksal ---- u. Ihnen danke ich für diese zwei nur zu rasch verflossenen Wochen. Sie werden mit belebender Kraft in das Treiben des Alltags hinüberstrahlen u. werden mich vorwärts tragen, wie Sie mich selbst durch den Sonnenglanz auf den Potsdamer Seen führten.
Möchten sie auch für Sie von jener befreienden Wirkung sein, die den Druck des Daseins vermindert u.
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| durch ein tiefes Glücksgefühl das Herz zum Kampf u. zum Siege stärker macht. Sind wir doch treue Genossen in diesem Kampfe!
Ein "Zeichen unsrer innigen Verbundenheit" sollen Ihnen, mein lieber, liebster Bruder, diese Blätter sein. Niemand sonst möchte ich das kindliche, unreife Aufsatzheft geben u. auch Ihnen wohl nur, weil es sich um unser liebes Schönhausen handelt.
In grenzenlosem Vertrauen u. unerschütterlicher Treue
Ihre
Käthe Hadlich.
Berlin. 19. Juni 1908.