Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 21. Juni 1908 (Bahn Friedberg-Frankfurt)


[1]
|
In der Bahn Friedberg-Frankfurt
21.06.08.
Lieber Freund.
In den ersten Tagen zu Haus werde ich kaum zu einem Briefe kommen. So will ich Ihnen doch wenigstens einen Gruß heut senden.
Ob die Casino-Partie gut überstanden ist? Vielleicht war es gar nicht so schlimm! - Für mich war es sehr hübsch, doch einige Stunden mit all den Meinen in Cassel zusammen zu sein. Natürlich mußte ich viel erzählen u. wurde noch
[2]
| mehr gefragt, als ich beantworten konnte.
Die Fahrt war ganz erträglich, obgleich wir zu 8 im Coupé waren. Heut ist es fast kalt, sodaß ich es wenig anstrengend finde. Wie freute es mich, daß Sie die Leutchen alle am Bahnhof sahen, besonders Hanna Virchow. Und dann war doch Ihr Gruß das Letzte, was mich in Berlin erreichte - wie es auch das Erste war.
Es war eine schöne, ungetrübte Zeit, die ich mit Ihnen verleben durfte, u. was mich begleitet, ist ein Gefühl neuen Lebensmutes für mich, der alte, unwandelbare Glaube an Sie u.
[3]
| Ihre Zukunft u. die stille, freudige Gewißheit einer unvergänglichen Gemeinsamkeit.
Ihre schönen, wundervoll frischen Rosen ließen wohl die Köpfe hängen, aber in Cassel erholten sie sich doch wieder bei guter Behandlung.
- Mit großem Interesse u. innerer Zustimmung las ich den Aufsatz von Hahn. Er hat auch die Gabe des Ausdrucks in hohem Maße. Ich kann es wohl verstehen, wieviel Ihnen der Umgang mit diesem lebensvollen Menschen wert ist. Hoffentlich ist die Spannung zwischen Ihnen nun beseitigt, denn seiner künstlerisch ästhetischen Natur
[4]
| muß die Ergänzung durch Ihre gründliche Wissenschaftlichkeit, die Sie mit einer ähnlichen Unmittelbarkeit in der Lebensauffassung verbinden, noch wertvoller sein.
Menschen, die mit solcher Intensität leben, haben es wohl schwer, aber wieviel können sie auch für andre sein! Das habe ich jetzt wieder aufs Tiefste empfunden - u. wenn ich es auch durch Worte nicht ausdrücken kann, so weiß ich doch, daß Sie mich verstehen -
Für Ihre verehrten Eltern schicke ich heut nur indirect vielen Dank für alle Freundlichkeit u. Güte, sowie herzliche Grüße. - Gutes Gedeihen für Ihre Arbeit, bei der ich Sie nun nicht mehr störe - u. warmes Wetter für den Balcon u. frohen Mut wünscht <Kopf> Ihnen mit innigen Grüßen
Ihre Käthe Hadlich.