Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 22. Mai 1909 (Charlottenburg), Postkarte


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<Poststempel: 22.5.09>
<Schreibt von unten nach oben> Es ist sehr unpraktisch, in dieser Weise zu schreiben, weil man die untere Zeile immer wieder auslöscht und kein Mensch auf den Schwindel reinfällt. Überhaupt hätte ich Ihnen gern einen Brief geschrieben. Aber es war noch nicht viel Gutes zu melden. Der Knick im Gemüt heilt nur langsam; freilich so liebe Briefe wie Ihr eben erhaltener bringen einen schnell voran. Nur vorläufig herzlichsten Dank. Antwort folgt sehr bald. Heute soll, da es K. andauernd besser geht, obwohl die Situation natürlich immer noch schwer genug bleibt, endlich die lange geplante Schulpartie stattfinden: 2 Uhr nach Wannsee. Alles freut sich riesig. - Die Rec. von D. fand ich auch hundsschlecht. So was ist nun U. P Ihre Gründe sind aber auch <ab hier normale Schreibweise> für mich nicht beweiskräftig, weil ich immer an Sie denke u. daher kein Zusammentreffen konstatieren kann. Wissenschaftlicher komme ich darauf in m. Brief zurück. Ebensowenig gefällt mir das, was R. L. in der Frkf. v. 19.V. über H. gesagt hat. Man sieht wieder, daß es das Recht der U. P. ist, aus keinem Buch etwas zu lernen. Er bringt all das alte Zeug, was ich nun gerade widerlegt zu haben glaubte. - Ich habe in letzter Zeit nur wenig arbeiten können. Dumpfheit des ganzen Menschen.
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| Dazu dieser Ekel der Herbart. Welch großen Genuß hatte ich dagegen an Hegels Jugendschriften, die ich kritisch, aber mit Verständnis genoß! - Vom 9. - 30.VI. wird Nieschling hier sein. Für Ihre Grüße herzl. Dank. NB. zur Charakteristik des genus "Mensch" Ludw. hat erst geglaubt, er hätte die Partie nach Lehnitz mit dem Frl. H. gemacht, die sich mit Geh. R. verlobt hat. Der Registrator wollte durchaus wissen, welchen Eindruck er gemacht hätte. Ich habe ihm gesagt: Er "hätte Ihre kühnsten Erwartungen übertroffen". Bald mehr. Herzlichst E.