Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 22. Mai 1909 (Berlin, Postkarte)


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<Poststempel: 22.5.09>
Liebe Freundin! Von der Partie zurückgekehrt, sitze ich zur Erholung bei Franziskaner (cf. 14. IV:) beim Schlußschoppen u. gedenke Ihrer. Noch ist es mir möglich, das zerstörte Leben der Schule zusammen zuhalten. Von 3 Abteilungen, ca. 26, wovon 17 gekommen; die fehlten, konnten unausweichlich nicht. Außerdem Frl. Ströhmann, Frl. Naumann u. d. beiden Söhne des Direktors, auch Kl. Runge. Sie haben keinen Begriff, wie schwer es ist, ein solches Unternehmen in Gang zu bringen. Es gelang im ganzen auch diesmal, obwohl der Weg nicht recht gefiel (er ist nur für einsame Naturen; Wannsee - Jagdschloß Stern - Neubabelsberg - Dampfer Stolpe - idyllisch in Obstgärten am Wasser - Wannsee.) Aber es waren doch 3 , die in einer geradezu häßlichen Weise den ganzen Tag eine Secession machten, sich um die Damen u.
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| mich nicht kümmerten. Da glaubt man an tiefere Geistesbildung, wenn man nun nicht einmal diese einfachen Äußerungen des Taktes erzielt. Auf der Rückfahrt, zu 17 in 1 Coupé, waren wir wieder eine frohe Gemeinde, ohne die 5 isolierten zu vermissen. Dies der Rapport. Was sonst dabei innerlich in mir vorging, wissen Sie.
Herzlichst Ihr E. Sp.