Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 5. Juni 1909 (Charlottenburg, Postkarte)


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Liebe Freundin! Was sagen Sie nun: gestern u. heute bin ich wieder Schulmeister gewesen: stellvertretender Ordinarius in der V. Klasse, eine ganz reizende kleine Gesellschaft (ca 40!), Geschichte u. Deutsch [über der Zeile] 4 Stunden, außerdem 2 Stunden Geschichte in der I, die sehr matt u. unintelligent ist. Mich hat dieses Intermezzo wenigstens für 2 Tage einem unerträglichen Gemütszustand entrissen, u. ich habe endlich einmal wieder gefühlt, daß ich lebe. Jedesmal, wenn es läutete, war ein allgemeines Bedauern. Sie werden mir die mancherlei Empfindungen dieser kurzen realen Reminiscenz nachfühlen! - Aber Knauer selbst geht es leider wieder schlechter: die Venenentzündung ist jetzt auch im anderen Bein. Es ist wirklich ein trostloser Zustand! - Dilt. hat mir durch seine Tochter schreiben lassen (ohne Anfrage meinerseits!) daß er erst zur Sitzung am 17. Juni hier sein wird. Die Sache zieht sich also lange hin u. ist mir herzlich
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| über. - Ihren lieben Brief (für dessen interessante Einlagen ich noch besonders danke!) beantworte ich bald ausführlicher. Heute nur die herzlichsten Wünsche u. Grüße. Denn ich muß noch täglich zum Zahnarzt. Stets Ihr E. Viele Grüße an Frl. Knaps.
[li. Rand] 5.6.09