Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 16. Oktober 1909 (Charlottenburg, Postkarte)


[1]
|
<Poststempel: 16.10.09>
Liebe Freundin! Ich eile, den Empfang Ihrer lieben Sendung zu bestätigen. Alles nebst Zubehör ist glücklich angekommen. So wird dann jede Birne mich erinnern an das Land, wo mein Segen wächst. Leben wir denn im Land der Pharaonen zu Josephs Zeiten, daß Träume uns zwingen zu tun, was wir nicht tun sollten? Mehr darüber im Brief, den ich aber erst Montag schreiben kann; denn morgen ist, zu meiner Beunruhigung, Schleiermacherkonferenz mit Dilthey u. Sonntag muß ich arbeiten, wie denn die Schule neben viel Freude natürlich auch viel, aber nutzbringende Arbeit im Gefolge hat. Könnte ich nur einmal mit auf den Dilsberg. Sie glauben nicht, wie Ihre Erzählung das alles in mir lebendig gemacht hat! Weiteres über die angeregten Fragen im Brief. - Es war heut tragisch, wie Erich Schmidt bei der Rektoratsübergabe einen Anfall von Herzschwäche bekam mitten in der Rede. Diese glänzende Scenerie, dieser herrliche Mann, und mitten im Triumph der der Überlast des Geforderten erliegende Mensch. Vor 2 Monaten sprach ich von derselben Stelle, und niemand ahnte, mit welchem Kraftaufwand. Aber jetzt geht es mir erheblich besser. Die Schule regt sehr an. Es sind viel anziehende Naturen dabei. Die alte Heiterkeit kehrt wieder.
[2]
| Mit großem Pomp verkündete der scheidende Rektor, daß im verflossenen Amtsjahr der Oberpedell Tschorsch sein 500jähriges Amtsjubiläum gefeiert habe. - Eben arbeite ich die Antrittsvorlesung aus, bin recht zufrieden. Es waren noch manche schönen Herbsttage. Ihrer gedenkend streifte ich durch den bunten Wald, im herbstzeitlosen Glück eines göttlichen Besitzes. - Und die Tante hat sich bis Aachen gewagt? Der Raum ist zu Ende. Aber was ich sagen will, ist endlos. Herzlichste Grüße auch von m. Vater <li. Rand> Ihr dankbarer E.