Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 28. Oktober 1909 (Charlottenburg, Postkarte)


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<Poststempel: 28.10.09>
Liebe Freundin! Herzlichen Dank für Ihr Gedenken am Nordpol und am Dilsberg, auch unsrer Freundin! Hoffentlich finde ich demnächst eine Stunde zum Briefschreiben: Schule, Kolleg, Antrittsvisiten, Vorbereitungen häufen sich jetzt unglaublich. Der eigentliche Anfang war nicht übel, d. h. das Privatissimum am Dienstag. Es waren excl. Registrator 7 Mann da, 5 ältere (darunter 1 Amerikaner) u. 2 jüngere, die alle einen sehr intelligenten Eindruck machen. Ob sie wiederkommen, ist ja abzuwarten. 3 bleiben sicher; die übrigen schienen mindestens interessiert. Eine Enttäuschung aber war das Publicum, wo nur 17 erschienen; Registrator, Scholz, Ludwig, Dr. Levy u. - Frau Eppenstein als einzige Dame! bleiben also 11. Das beweist, wie notorisch gering das Interesse für den Gegenstand ist; auch bemerkte ich einige, die sich sichtlich langweilten. Für mich waren beide Tage sehr anstrengend. Ich hatte bis zum Freitag an der Ausarbeitung der Habilitationsvorlesung zu tun, (die Sie also im Druck lesen werden, die andre folgt das nächste Mal im Ms.) Da ich absolut frei sprach, selbst ohne Disposition zu benutzen,
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| so mußte ich in 3 Tagen für 2 Vorlesungen Stoff sammeln u. mich konzentrieren, um die Gedankenfolge zu behalten, neben der Schule. Ich bin heute entsetzlich müde, u. auch durch das Publicum wenig aufgelegt zu weiterem. Es scheint also, daß ich hier der "Märtyrer" der Pädagogik werden soll, für die die Oberlehrer nun einmal noch nicht reif sind. Aber Schule u. Seminar sind andauernd nett. Dafür bin ich nun einmal der rechte Mann. - Herzlichen Dank für die schöne Ansicht. Das Geliehene folgt demnächst mit zurück. Mit herzl. Grüßen Ihr stets getreuer Eduard.
[re. Rand,S.1] Könnte ich doch mit nach Karlsruhe!!