Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 8. Januar 1910 (Charlottenburg, Postkarte)


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<Poststempel: 8.1.10>
Liebe Freundin! Zu einer eigentlichen Antwort auf Ihre letzten lieben Briefe langt es mal wieder nicht. Daher nur dies Lebenszeichen. Das neue Jahr setzt gut ein, noch schlimmer als das vorige. Tag für Tag ist besetzt, u. trotz unablässiger Arbeit nie Zeit zur Sammlung. Die Verleger umschwirren mich wie die Raben; für die nächsten 2 Jahre liege ich so gut wie ganz fest. In den "Ferien" hatte ich nur 1 Tag frei. Am 3. I. war ich mit Böhm u. Schubert bei herrl. Frühlingswetter in Grünheide, Altbuchhorst, Wilhelmshagen etc. Wir haben philosophiert u. musiziert, alles recht harmonisch; doch hat mich das ungewohnete Laufen überanstrengt. Mittwoch bei Kollegen Cassirer u. Groethuysen, Donnerst. Paulsen. Freitag Dilthey (sehr matt) u. heute Konferenz. Für Vorlesung u. Schule völlig unvorbereitet. Kaput von d. Ferienarbeit: 6 Bogen = ½ des Buches. Wer aber schreibt die anderen 6 Bogen bis zum 1.II? Wenn ich nicht bis zum 15.III. Frist bekomme, wird es nichts. Sind Sie bereit, wirklich Korrekturen zu lesen? Dann bitte ich Sie, den "deducierten Plan" v. Fichte nach Fichtes Werken Bd. 8 zu vergleichen. Können Sie das Buch durch Hofrat Willes Vermittlung in Heidelberg beschaffen? Aber nur, wenn es Ihnen neben der Arbeit auch ein bißchen Spaß macht.
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| Daß Sie so peinlich mit der Losgeschichte waren, war mir fast peinlich. Wenn ich auch so sein würde! Schuberts Drama hat am 14.I. in Elbing Premiere. Können Sie vielleicht jemanden dafür interessieren? - Mehr geht leider nicht auf diese Karte; Im nächsten Brief Ausführlicheres. Mein Kopf ist allerdings so sehr gemischtes Gemüse (wenigstens ist mir so) daß ich kaum weiß, was gestern gewesen ist u. jeder Esel mich mit Genuß fressen könnte. Herzlichen Gruß u. Empfehlungen an die <li. Rand> verehrten Ihren Ihr Ed.
[re. Rand] Recht gute Erholung!