Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 9. März 1910 (Charlottenburg)


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Charlottenburg, den 9.III.10.
Liebe Freundin!
In 14 Tagen, wenn alles klappt, sehen wir uns wieder. Ich verzichte daher darauf, von den letzten, zum großen Teil recht trüben Eindrücken hier zu erzählen, und beschränke mich auf ein Lebenszeichen. Was Sie mir von Hermann schreiben, hat mich überrascht und erfreut. Werden wir ihn zu Ostern auch sehen? Hoffentlich! Denn ich bin ihm so viel Dank für Zusendungen schuldig, daß er garnicht mehr in einen Brief geht.
Das Semester ist zu Ende. Eine Verminderung der Arbeit bedeutet das nicht. Die Maschine geht so weiter
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| fort, wenn auch immer schwächer und mit geringer werdender Lebensfreude. Dabei scheint der Erfolg des Semesters zünftig. Es waren mehrere Studenten bei mir, die meinen Rat wünschten. Aber keiner dieser Besuche ist unter 1 Stunde und mehr.
Mit der Schule bleibt es nach Ostern in der neulich mitgeteilten Weise. Neu einleben an einer andern Anstalt macht auch Mühe, u. solche Dinge kommen überall vor. Sonst habe ich bei B. auch nicht die mindeste Ursache zu klagen. Im Gegenteil, die Klasse II ist ungewöhnlich tüchtig und macht mir immer mehr Freude, liest mir auch jeden Wunsch von den Augen ab. - Die "bestandenen" Seminaristinnen
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| hatten Sonnabend ihr Abschiedsfest, mit den üblichen Scherzen. Freitag vorher bei Paulsens, Mittwoch bei Riehl - Sie können denken, daß das immer eine Kürzung der Nachtruhe bedeutet.
In 8 Tagen soll ich nun das Ms abliefern. Ob es möglich sein wird, ist mir fraglich.
Nun aber zum Wichtigsten: unserm Plan. Wenn Sie Charfreitag 4.52 Anhalter ankommen, so hängt es von Ihrem Gepäck u. unsrer Gabe zu schwindeln ab, was wir anfangen können. Draußen - es bleibt bis ½ 7 hell, ist es nicht besonders gemütlich, da Ch.Fr. ein Herrenlandpartientag ist. In den Zug (am Zool. Garten 10.30.) uns hineinzuschmuggeln ginge in Wannsee 10.13 (Potsdam berührt er nicht.) Freilich müßten wir den Betrag mit 1 M Fahrgeld
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| pro Person statt 0,20 bezahlen. Auch würde ich mich unterwegs verflüchtigen, um nicht mitgeküßt zu werden. In Charlottenburg in d. Zug einzusteigen ist kaum möglich, da wir dort keine Billets bekommen für Fernzüge. Bitte also überlegen Sie die Sache mit dem Gepäck noch mal.
Ihre Andeutungen über unsre Freundin beunruhigen mich. Was ist es nur?
Die Sache in Speyer ist noch nicht entschieden. Hingegen wird sicher eine Verlegung der groß. Ferien stattfinden, so daß am 9.VIII. Schulanfang. Ich könnte dann überhaupt nur vom 2. - 9. reisen. Sie sehen, es fängt schon an schiefzugehen. Denn wahrscheinlich können die Lehrer erst am 10.
In herzlicher Freude auf den 25.III. grüßt Sie u. unsre Freundin vielmals
stets Ihr Eduard.