Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 30. April 1910 (Charlottenburg, Postkarte)


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<Poststempel: 30.4.10>
Liebe Freundin! Obwohl ich Ihnen eigentlich einen längeren Brief schuldig bin, muß ich Ihnen doch erst provisorisch berichten, mit welchem Pomp ich m. Vorl. begonnen habe. Beide von mir gewählten Auditorien waren zu klein; beidemal also der Nimbus des Umziehens. Donnerstag Abend war schon um 6, als ich kam, Nr. 42 mit 180 Plätzen total voll. Im Vorbeigehen hörte ich ein Gespräch "..... Sp...der soll ausgezeichnet sein". Schließlich mußte ich den Beamten nachgeben u. zog nach 41, das ca 230 Plätze hat. Auch dort standen noch 20! Ich begann mit dem schönen selbstgebundenen (!!) neuesten Schlips, für den ich herzlichst danke, u. d. Erfolg blieb natürlich nicht aus. Viele Bekannte, aber verschwindend gegen die Neulinge. Thema Kant. Nach Stimmen, die ich höre, war man mit mir zufriedener als ich selbst. - Daß am Freitag Nr. 52 mit 30 Plätzen zu klein sein würde, sah ich voraus. Ich bekam aber nichts anderes als einen archäologischen Cirkus mit 70 Plätzen, wobei auch noch einige standen. Diese Vorl. gelang mir trotz bestehender Aufregung über alles Erwarten. Jede Formulierung klappte. Dieser Beginn ist
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| ist über alles Erwarten gut. Hoffentlich hält die Kraft bei beiden Teilen vor! - Heute soll die Konfirmandin antreten. Ich selbst muß gleich nach Neubabelsberg. Bald mehr also. Hoffentlich geht es Ihnen u. Frl. Knaps gut. Viel herzliche Grüße Ihnen beiden. Meinem Vater geht es langsam besser. Herzlichst Ihr dankbarer u. treuer Eduard Spranger.