Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 11. Juni 1910 (Charlottenburg 2)


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Charlottenburg 2, 11.VI.10
Liebe Schwester!
Meinen innigsten Dank für Ihren treuen Brief. Gewiß würde ich Sie sofort telegraphisch bitten zu kommen, wenn irgend Gefahr oder Schwierigkeiten wäre. Nun aber ist die Sache an sich sehr harmlos, und nur das gemein, daß sie mich so kläglich hier festnagelt. Es ist nichts als Fieber; daneben etwas Bronchialkatarrh, der aber so leicht ist, daß er d. Fieber nicht veranlassen kann. Der Verlauf sehr langsam; gestern nach Telegramm
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| doch noch 38,9.; heute [über der Zeile] früh glücklich 37,2. Bitte ängstigen Sie sich nicht; ich habe weder Schmerzen noch sonst etwas; an Pflege, die ich übrigens kaum brauche, fehlt es auch nicht.
Natürlich macht die Stockung der Geschäfte nur Sorgen. Montag kann ich noch nicht zu Böhm. Hingegen muß ich am Dienstag lesen, oder ich muß das Kolleg für das ganze Semester aufgeben. Das wäre natürlich ein unglückliches Pech. Denn ich habe 830 M ausgezahlt erhalten. Ihre Sendung mit d. Karten erhalten.
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Ebenso die schöne Karte aus Maulbronn; freue mich, daß Sie dort sein konnten.
Darf nicht viel schreiben. Also nur noch einmal, liebe Schwester, bitte keine Sorge! Sollte ich in Not kommen, vertraue ich auf Sie.
Sehr schönen Brief v. d. Enkelin Humboldts. Nieschling per I.X. zur Kriegsakademie komandiert.
Viele herzliche Grüße an die verehrte Tante, Frl. Knaps u. Sie selbst stets Ihr dankbarer Eduard.