Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 14. Juni 1910 (Charlottenburg)


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14.VI.10.
Liebe Schwester!
Eben erhalte ich Ihren lieben Brief und die herzlichen Zeilen von Tante Thes. Für alles innigen Dank.
In meinem Befinden ist kein Fortschritt. Immer Abends 38,8, morgend 37,8, kein Schlaf, u. infolge unablässiger Besuche wenig Ruhe. Was die Sommerreiseidee betrifft, so sehen Sie die Konsequenzen wohl in zu harmonischem Licht. Ich bin ganz fest überzeugt, daß ich diesen Sommer nicht wieder zum Lesen komme. Dann stehe ich wieder ohne einen Pfennig vor der unmittelbaren Not des Lebens.
Es geht nicht, daß ich Sie und Ihre Lage durch meine stetigen Bedürfnisse
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| gefährde. Hielten Sie es für richtig, wenn ich mich an Frau Prof. Paulsen wendete, die eine notorisch reiche Frau ist? Ich würde sie um 1000 M bitten, denn 2 - 3 Monate werde ich doch nur mit halber Kraft arbeiten können.
Es ist kein Zweifel, daß ich an dem großen, hoffnungslosen Kampf nun doch entzwei gegangen bin. Ich habe wenig Lust, ihn <ein Wort unleserlich> von vorn zu beginnen.
Verzeihen Sie, liebe Schwester, diese realissima; aber sie müssen in den nächsten Tagen entschieden werden.
Das Programm ist sehr interessant. Eben war Ulrich Z. aus Teheran 1 ½ Std. bei mir. Gestern Knauer.
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Danken Sie der Tante herzlich für ihre freundlichen Worte.
Viele Grüße ihr, unsrer Freundin und vor allem Ihnen
in treuer brüderlicher Liebe
aber mit wüstem Kopf
Ihr
Eduard.

Außer dem Fieber ist absolut nichts.