Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 26. August 1910 (Charlottenburg, Postkarte)


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<Poststempel: 26.8.10>
Liebe Freundin! Ich kann Ihnen jetzt leider keinen Brief schreiben, denn ich muß – dichten, u. der kalte Angstschweiß geht mir dabei ab. Der alte Böhm hat am Ende September s. 50jähriges Lehrerjubiläum, u. aller Augen harren auf mich. Eben – ½ 11 – habe ich 10 Stück Stangen an das Comité abgesandt – mit Hilfe einer Flasche Rotwein in 1 Tage gemacht. – Aber danken muß ich Ihnen doch für Ihren lieben Brief u. die Photographie, die bereits eingerahmt auf m. Vaters Schreibtisch steht, u. Ihnen außerdem sagen, daß ich Sie mißbillige. Denn erstens bürsten Sie Ihr Cape nicht gut genug ab, u. zweitens rechnen Sie ganz jämmerlich. Ich hospitiere jetzt in der 1. Berl. Fortbildungsschule. Nach 3 Std. eigenen Unterrichts heute 3 Std. Zuhören; neben dem Dichten doch etwas strapaziös. Ganz angst u. bange wurde mir, daß als Herr Schlauk die 17jährigen Lümmels mit "liebes Kind" anredete, aber immer nur,
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| wenn sie über die Handelsgesellschaften nichts wußten. Im ganzen gewinne ich ja mehr u. mehr einen Bombenrespekt vor diesen Volksschullehrern. Sie leisten Grandioses. Ich bin heut sehr müde u. kann nichts weiter sagen, als daß ich Ihnen wünsche, am Sonnabend noch nicht abzureisen, sondern in Gesundheit u. Frohsinn noch länger zu bleiben. Herzlichst Ed.
[re. Rand] Frl. K. herzl. Grüße