Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 15. Oktober 1910 (Charlottenburg, Postkarte)


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<Poststempel: 15.10.10>
Liebe Freundin! Das Jubiläum ist nun vorbei, aber leider noch immer keine Ruhe. Herr Landgraf, der Jugendfreund m. Vaters, u. s. Sohn Willy, mein Jugendfreund, sind auf 2 Tage hier. Das kommt mir so vor, als wenn einer nach Berlin reiste, um die Knochen eines Huhns zu verzehren, das ein andrer (das Jubiläum) gegessen hat. Obwohl ich nicht alles mitgemacht habe, war es eine Strapaze, u. doch nur dekorativ. Mein Name ist viel genannt worden in allen Zeitungen. Aber wer ersetzt die unwiederbringlichen schönen Herbsttage in der Natur, die ich versäumt habe? Es ist schwer, die Kontinuität der Arbeit wiederzugewinnen. Sonntag Mittag muß ich noch nach Neubabelsberg. Die Schule hat begonnen. 4 Stden so: Mo 9 - 11. Mi. 9 - 10. Fr. 10 - 12  18 Mädchen, brave Lämmer. Soeben erhalte ich 20 ko Universitätsgeschichte. Ich kann mich nicht wehren
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| gegen die Fülle ungeeigneter Elemente, die zu m. päd. Übungen jetzt schon drängen. Bitte verzeihen Sie, daß ich noch immer keinen Brief schreibe. Sie wissen, daß alle m. Gedanken immer bei Ihnen sind. Eben deshalb kann ich jetzt - abgespannt u. verstimmt - nicht mit halben an Sie schreiben. - Im Daheim finden Sie mich als ***. Sonst ist hier alles in gutem Gleise. Aber der confluxus konnimum! Besuche geben u. empfangen. Am Donnerstag allein 3 Euckenianer. Herzlichst grüßt Ihr Ed.