Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 31. Dezember 1910 (Charlottenburg 2)


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Charlottenburg 2, den 31.XII.10.
Liebe Freundin!
Nur ein kurzes Silvestergedenken! Gehört doch Ihnen das ganze Jahr, wenn ich zurückblicke. Und so trage ich den Dank hinaus in die Zukunft mit heißen Wünschen für Sie - für uns. Ich habe Vertrauen zu diesem 1911. Möge es altes Glück ohne alten Schatten heraufführen: mehr begehre ich nicht.
Meine liebe Schwester: ich komme Montag 2.50, resp. 3.22. Seien Sie gewiß, daß ich alle Rücksichten auf die liebe Tante und Ihre Pflichten gegen sie nehmen werde. Aber wenn ich selbst aus Rücksicht sagte: ich will meinen Besuch verschieben, so müßte ich doch am 2. reisen, weil ich entsetzlich abgearbeitet bin und nicht anders zur Ruhe komme. Es wäre mir unnatürlich, dann anders wohin
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| zu fahren als nach Cassel. Vielleicht wissen Sie ein Hotel ohne Restaurant. Wenn ich dann auch nicht bei Ihnen esse, bin ich doch freier. Und so schiebe ich alles auf dieses Wiedersehen, daß ich schon ca 20 Briefe geschrieben habe u. kaum noch kann. Denken Sie, Frl. Ströhmann u. Frl. Glinzer (Lindenstr. 7, Wilhelmshöhe) sind auch in Cassel.
Könnte das Jahr für mich schöner anfangen? Also nochmals: Auf gutes Wiedersehen, und viele herzliche Wünsche auch für die arme Tante.
AEI
Eduard.

[] Daß Sie nicht nach dem Bahnhof kommen, ist meine erste Bitte für 1911. Es soll alles ganz ohne Störung, fast unbemerkt für die Tante sein.