Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 30. August 1910 (Heidelberg)


Heidelberg. 30. Aug. 1910.
Lieber Freund.
Zu einem Brief reicht heute die Zeit nicht, aber ich möchte doch, daß Sie am 31. VIII. ein sichtbares Zeichen des Gedenkens von mir hätten. Darum in Eile nur wenige Worte. - Die gute Nachricht, die Sie mir gestern sandten, wird mir den Tag besonders freudig machen. Wie freue ich mich von Herzen mit Ihnen über den vernünftigen Vorschlag der alten Herrn Philosophen. Das ist jetzt doch einmal ein menschlich schönes Interesse, was sie da bewiesen haben. Und mein lieber Freund sieht daran, was er ihnen im besonderen u. - dem "Staat" im allgemeinen wert ist! Ich gratuliere Ihnen innig, mein liebster Bruder! Auch das andre ist eine gute Aussicht, u. wenn die Betreffende tüchtig in der Arbeit u. praktisch ist, so schadet ja eine etwas bessere Bildungsstufe nicht. Umso taktvoller wird sie Ihre Stelle ausfüllen können. Ihren Brief habe ich direkt weitergeschickt. Einer von Herrn Kölle lag nicht bei. Es scheint mir ganz gut, was Sie da vereinbaren, nur würde ich ganz entschieden nicht dafür sein, daß Sie Ihr Schlafzimmer räumen. Zur Wäsche würde das Fräulein König dann wohl jemand engagieren, so daß doch die Sachen nicht mehr fortgegeben werden müßten. Aber es ist ja Zeit, das zu besprechen, wenn sie erst da ist. Jedenfalls ist doch nun mal die Angelegenheit in Fluß gekommen u. wird sich hoffentlich bald ordnen. Ich habe eine ganze Anzahl Bilder vom Hermersberger entwickelt. Sie werden bald Proben davon bekommen. Auch die andern Abzüge mache ich Ihnen, soviel Sie wollen. Nur geht das nicht alles auf einmal. Sie haben ja einstweilen die fleckigen, also haben Sie noch ein bissel Geduld. Es gefällt mir doch recht gut wieder in meiner kleinen Wohnung. Das ist mein "Daheim", in Kassel bin ich "zu Haus", u. Berlin ist "meine Heimat". Das ist einen vielseitige Sache, nicht wahr? Wenn es noch trocknet, bis dieser Brief fort muß, finde ich mich morgen bei Ihnen in Nagelschuhen ein. Fürchten Sie sich nicht vor dem Lärm? Ich hoffe, morgen einen Brief zu schreiben, denn ich werde in Gedanken doch besonders viel bei Ihnen sein. Wollen wir auf den Weißenstein gehen?
Viel tausend Grüße sendet in Liebe u.Treue
Deine Schwester.