Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 24./25. November 1910 (Heidelberg)


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Heidelberg. 24. Nov. 1910.
Lieber Freund.
Ich war so erschrocken, als heute schon wieder ein Brief von Ihnen kam u. dachte, es sei irgend etwas Arges geschehen. Dem Himmel sei Dank, daß es nicht der Fall war! Aber nein - Sie müssen niemals denken, ich könne gekränkt, gegen Sie verstimmt sein. Ich bin es nie, auch wenn ich wohl mal durch irgend etwas verletzt bin. Es ist mir so selbstverständlich, dies nie für böse Absicht zu halten, daß ichs entweder still runter schlucke oder aber einfach sage, wie Sie doch schon manchmal erfahren haben. Und so wollen wir es weiter halten, mein lieber Freund, u. alle kleinlichen Mißverständnissem u. Quälereien werden uns fern
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Lange, Alice Salomon, Gertrud Bäumer - das ist aber auch Elite.

Schluß am 25. Nov. (meiner Mutter Geburtstag). Sie sollen doch einen Sonntagsgruß haben, wenn wir uns auch nicht so auf einen bestimmten Tag eidlich festlegen wollen! Draußen ist alles wie mit Glas überzogen, Regen u. Frost, nicht gerade wohltuend für meinen Husten. Schade, da ists auch nichts mit dem Spazierengehen u. Dr. Coss muß schon bei mir den Kaffee trinken. - Ich lege ein paar Zeitungsausschnitte bei. Rot u. schwarz friedlich auf einem Blatt. Wenn man aus dem Hoensbroech weiß, was diese marianischen Congregationen sind u. welche Macht sie üben, dann liest man die Zahlen mit doppeltem Interesse. Alles Jesuitismus. Und Das wächst u. wächst, wohin soll das noch führen?
Viele herzliche Grüße, mein lieber Freund. Bleiben Sie gesund u. vergelten Sie Böses mit Gutem u. schreiben Sie weiter recht oft. Ich bin so gern verwöhnt.
In Treue
Deine Schwester.