Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 27. Dezember 1910 (Kassel)


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Cassel, 27. Dez. 1910. L. Fr. Eigentlich hatte ich heut auf eine Karte gehofft. Mein Brief vom 1. Feiertag ist doch hoffentlich gestern früh bei Ihnen gewesen? Sie sahen daraus, daß wir nun doch beim 2. Januar bleiben müssen. Ist das Packet, das Donnerstag, d. 22. hier abging, angekommen? Das Ihrige traf doch schon am 23. hier ein! - Sie werden gern hören wollen, wie es hier geht, u. ich kann Ihnen Gutes berichten. Die Temperatur fällt leise u. der Husten ist seltener. Immerhin ist von Aufstehen noch keine Rede u. wir wollen natürlich nichts riskieren, um keinen Rückfall zu kriegen. Ein paar Tage hatte ich Sorge, daß die Geschichte ganz endlos sei u. womöglich noch irgend etwas Bedrohliches im Hintergrund laure. Aber jetzt wird es sehr langsam, aber stetig besser. Sie werden es begreifen u. verzeihen, wenn mich das nicht nur um Tantings willen erfreut. Morgen ist der 28. - auf den ich so sehnlich gewartet hatte! Vermutlich kommen Aennchen u. Kurt da zurück. Tantchen ist ganz verliebt in das "Haus in der Sonne" u. liest viel darin. - Es kommen hie u. da kurze Besuche, aber
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| im allgemeinen sind wir still für uns allein. Tante versichert, daß die Aussicht auf Ihren Besuch sie nicht im mindesten aufrege, sondern nur freue. Also nicht mehr: am Montag, d. 2. Januar, um 2 Uhr 50!? - Am Freitag fahre ich wahrscheinlich nach Hofgeismar. Sie wissen, wo wir im Sommer das Telegramm hinschickten u. wo das reizende Annelieschen ist. Grüßen Sie Ihren Vater. Lassen Sie sich nicht Ihre Ferien verderben mit der Sache im Grunewald. Nehmen Sie's kühl!! Viele, viele Grüße von Tante Thes u. Ihrer K.