Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 29. Dezember 1910 (Hofgeismar, Postkarte)


[1]
|
<Poststempel: 29.12.1910>
L. Br. Ich fahre eben durch dichtes Schneegestöber zu den Verwandten nach Hofgeismar. Die Welt wird mal wieder in Watte gewickelt. Wenn nur die Eisenbahnen frei bleiben bis zum 2.! Wir sind so gewöhnt, daß immer neue Schwierigkeiten kommen, daß ich ganz ängstlich bin u. überhaupt
[2]
| überlege, ob ich Ihnen nicht um Ihretwillen abraten soll, zu reisen. Bei uns geht es täglich ein wenig besser, aber es scheint mir doch besser, wenn wir Sie im Hôtel einquartieren, damit Tante ganz in ihrer Gewohnheit bleibt. Werden Sie das sehr unangenehm finden? Es ist ja doch schließlich nur ein paar Straßen weit, freilich nicht so gemütlich, wie ich es gern für Sie hätte. Aber der kleine Weg morgens u. abends ist schließlich kein Unglück. Wenn Sie aber überhaupt denken, daß Ihnen diese Winterreise auf so kurze Zeit nicht gut sein sollte, dann schreiben Sie es offen. Ich mache mir Sorge u. möchte nicht Schuld daran sein. - Man sieht so viel Dunkelheit diesen Winter, u. ich bin schrecklich müde. Ob ich Sie am Montag schon sehen werde? Viel herzliche Grüße. K.H.