Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 22. Februar 1911 (Charlottenburg, Postkarte)


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<Poststempel: Charlottenburg, 22.2.11>
Liebe Freundin!
Alles Große macht man im Leben einmal durch: wir, u. auch ich, sind also heute vom Provinzialschulrat <gestrichene unleserliche Silbe> revidiert worden. Es war nicht gerade eine lustvolle Erwartung für mich, mit dieser Klasse m. pädagogisches Können zu zeigen. Aber die Pleite war nicht so groß, weil ich die Sache natürlich mit Geschick drehte.
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| Von 10–11 hatte ich schon zufälliger Weise 1 Stunde zugegeben, ohne daß er mich beehrte, weil er oben Böhm pisackte, der außerdem krank ist. Als ich nun um ½ 12 nach Hause wollte, fiel ich ihm in die Hände u. war natürlich bereit, ihm m. Kunststücke zu zeigen. Viel Übung hat er noch nicht; die Minderwertigkeit der Klasse hat er garnicht gemerkt: er dachte, daß m. Anforderungen zu hoch wären. Resultat: 1) Sie sind ein sehr klarer Kopf 2) Sie beherrschen den Gegenstand methodisch vollständig. 3) Sie dürfen nichts Philosophisches bringen, was über die Begriffsfähigkeit hinausgeht (dies war z. T. mein Trick im Interesse des alten Böhm.) 4) Grammatik soll wieder eingeführt werden. Der Mann war sonst sehr nett, konnte übrigens ebensowenig deutsche Grammatik wie ich. Und so ist auch dies vorüber. Der letzte Ton freilich ist aus der Kehle (gestern Abend auch 2 Std.) Muß <li. Rand> jetzt zur Beerdigung, abends zu Paulsens. Herzlichen Dank für <re. Rand> lieben Brief. Gute Besserung für Frl. Knaps. Herzlich u. <Silbe unleserlich> <Kopf>lich Ihr Eduard.
[Kopf S. 1] Sonnabend <über der Zeile: Vormittag> muß ich zu Dilthey. Auch 1 Feier!!