Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 7. September 1911 (Charlottenburg, Postkarte)


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<Poststempel:> Charlottenburg, 7.9.11
Liebe Freundin! Der Vorfalldmit der Gratulation erscheint mir heute aus doppeltem Grunde in anderem Lichte. Einmal ist bisher de facto nichts in meine Hand gelangt. Andrerseits habe ich den Beweis, daß mindestens D–y nicht die Quelle dieser Wissenschaft sein kann, in einem Brief von diesem aus Tirol,
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| der mit keinem Wort auf L. eingeht, dafür aber mich in einer Weise engagiert, die mich auf Jahre festlegen würde. (Auch aus diesem Grunde wäre eine Zerschneidung des gordischen Knotens erwünscht.) D–y ist weit vom Schuß: er weiß heut in der Regel weder pro noch contra. Nun aber steht M. mit Nohl in naher Verbindung. Und dieser ist nie fähig, Gerücht, Phantasie, Möglichkeit von der Realität zu scheiden. Vielleicht (?) ist ein Brief von ihm die Quelle. Ich habe diese Eigenschaft schon vor Jahren schmerzvoll erfahren, und sie war der direkte Anlaß zu unsrer Trennung. Von M habe ich noch nichts gehört, doch habe ich s. Gratulation dementiert. - Bitte schreiben Sie doch nach H., daß ich momentan zum Brief noch nicht komme. Viele herzliche Grüße an Sie u. die verehrte Tante stets Ihr <re. Rand> Eduard. Von weiterem erhalten Sie Nachricht.