Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 11. Oktober 1911 (Leipzig)


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Am 11. Oktober 1911,
beim Beginn einer neuen reichen Epoche.
Eine weiße Rose aus märkischem Sand,
Sie trug ich für Dich in sorgsamer Hand:
Von Liebe sprach sie, die Menschen vereint,
Als Sonne ob unserm Leben scheint.
Eine zarte Rose aus himmlischen Land,
So bist Du mir zur Gefährtin gesandt,
Und ich bete und frage mit prüfendem Sinn,
Ob ich Deiner, Du herrliche, würdig bin?
Eine Rose sprießt unterm Epheugrab,
Senkt in Vergangnes die Wurzeln hinab,
Will durch die Ranken hinauf zum Licht,
Das sich selig in Deinen Augen bricht.
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Und Rosen blühen auf stillem Feld
Im Herbst, als träfe kein Winter die Welt,
Wie einst, wo in dunkler Winternacht
Eine Rose uns die Liebe gebracht.
Mich zieht es hinauf in geweihten Raum,
Das alles verwebt sich zu sinnvollem Traum:
Die Rosen sind Du, Du blühest für mich,
Und alles Große in mir ist durch Dich.
Du bist für mich das ewige Wunder, immer reicher und größer! Was bin ich neben Dir!
Dein
Bruder von Anbeginn
A E I.