Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 14. Oktober 1911 (Leipzig, Grassi Str. 14.I, Postkarte)


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<Poststempel:> Leipzig, 14.10.11
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Leipzig, Grassi Str. 14.I.
L. F! Ich könnte sagen, daß ich im leeren Raum auf unausgepackten Kisten säße und dem sanften Fleiß meiner Taler zusähe, wenn dies nicht nur ein poetisches Bild u. die Kisten noch garnicht da wären. Trotzdem wird manches erledigt, d. h. ich fahre Droschke u. treffe niemanden an, höchstens die Dame, die des Dekans freundliche Gesinnungen verfaßt hat. Und eine Post hatte ich heute, mit der ich die ganze Stube tapezieren könnte. Leider nicht nur so liebe u. erfreuliche Briefe wie Ihren.
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| Aber doch noch 1 oder 2. Denn ein Eilbrief voll rührender Anhänglichkeit sagte mir, daß die Kursisten alles beim Ministerium unternehmen wollen, um m. Vorlesungen zu behalten: "Es ist mehr als Sympathie, was uns mit Ihnen verbindet, es ist Glaube". Und ähnlich Lotte Löffler. Ich sitze nur u. antworte u. schreibe. Die Amtsgeschäfte müssen hier nach allem enorm sein. Meum. scheint z. T. deswegen entflohen. Sprechstunden, Prüfungen etc. werden als horrende geschildert. Ich denke aber durch ein rationelles System u. ev. durch Anstellung einer Sekretärin die Sache von vornherein in vernünftige Bahnen zu lenken. Nun noch eine Bitte: das Dresdener Salonblatt will durchaus m. Bild bringen. Haben Sie noch einen entbehrlichen Abzug, dann schicken Sie ihn bitte direkt mit der bloßen Notiz: Prof. Sp. an das "Salonblatt", Dresden, Abt. 3, Räcknitzstr. 12 Heute nur dies u. die Bitte, nicht gleich durch Ports Aufträge sich von neuem anstrengen zu lassen. Viele innige Grüße Ihr Bruder. Auch dem Bekanntenkreis d. Beste.
[re. Rand] Die Verpflegung scheint m. Geschmack recht zu entsprechen.