Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 26. Oktober 1911 (Leipzig, Postkarte)


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<Poststempel:> Leipzig, 26.10.11
L. F! Soeben habe ich m.eine Eröffnungsvorlesung gehalten, mit "ganz" befriedigendem Erfolg; immerhin unter erschwerenden Umständen. Einmal habe ich seit Sonntag wohl infolge des Wetters u. d. forcierten Besuche einen starken Nervensturz erlebt, der sich jedoch heute schon etwas gebessert hat. Andrerseits habe ich im letzten Moment m. Vorlesungen verlegen müssen, u. zwar auf Mo. Di. Do.
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| 3–4! Phil. d. Gesch. Di. u. Fr. 4–5. Sprechstunden. Mo. Do. ½ 5 – ½ 6 im Seminar. Grund: kein ausreichendes Aud. zu erhalten. Meines hatte nur 81 Plätze, das wäre allerdings zu klein gewesen. Und selbst unter Anrufung des Universitätsrichters keine Hilfe. So groß waren die Pauken u. Trompeten nun nicht, wie mein Famulus getrommelt u. geblasen hat. Ich taxiere 140 Anwesende, wobei in dem um die sinnlose Zeit natürlich freien großen Aud. doch noch viel leer war. (was man hätte vermeiden sollen durch mittlere Wahl.) Durch Baldriangenuß, Askese, Schlaf u. Droschkenfahrt zur Un. vorbereitet war ich leidlich frisch u. machte es mir nach Wunsch; war sofort wieder drin. Hoffentlich gewöhnen sich die Nerven auch. Habe nun schon die 1. Diss. begutachtet, die freilich so schlecht nicht hätte zu sein brauchen. Hoffentlich höre ich bald von Ihnen. <Kopf> Bisher ist ganz mäßig zu tun. Ich verstehe <re. Rand> diesen Kollaps nicht.
<li. Rand>
Viele herzliche Grüße Ihr Ed.