Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 6. Dezember 1911 (Leipzig, Postkarte)


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<Poststempel:> Leipzig, 6.12.11
Liebe Freundin! Der Weihnachtsmann ist ja diesmal ausnahmsweise früh gekommen. Und der Kalender ist wirklich das Nonplusultra aller Kalender. Möge es auch von dem Jahr 1912 gelten! Die Äpfel sollen seine Fruchtbarkeit symbolisieren. Die Mixtur nehme ich ebenfalls mit herzlichstem Dank. Ob sie den Ruin aufhalten wird, ist mir allerdings fraglich. - Es war eine sehr unruhige Zeit. Selten bin ich vor 1 ins Bett gekommen. Gesellschaften u. Verein, eins jagt das andre. Außerdem habe ich tatsächlich etwas Rheumatismus, wie das der Würde eines ange
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|stellten Beamten entspricht. Auch hier ist es immer warm (wie in H; Dank für Karte.) In d. Nähe v. Schleußig blüht ein Birnbaum. Wenn m. Befinden gut oder einigermaßen ist, bin ich mit allem sehr zufrieden. Heute war ein kl. Konflux von Ärgernissen. Rudolf Paulsen u. Pieper lassen mich über Ihren Anteil an d. Aufsätzen ohne jede Nachricht. Ich höre alles erst postfestum von Cotta. Außerdem schickt mir ein Mensch aus Wien 1 Diss., die ich mit teuren Kosten sogleich zurücksenden muß. Gestern habe ich eine von 400 Quartseiten beendet. Hoffentlich kommt der Bariton für getragene Sachen auch einmal nach L. Ich habe einen alten Hut u. 2 Westen. Wie heißt, ob ich nehme Interesse am Fall Weber, wenn ich nicht weiß, was der Weber will. Wilh. Rein hat in s. v. niemand geles. Ztschr. Meumann,Volkelt u. mich auf 1 Scheiterhaufen verbrannt. Ich fange hier an, als philos. Kraft v. d. Studenten erkannt zu werden. Die Examinanden haben sich bisher förmlich nachher bei mir bedankt. Wie schön die Hoffnung auf Stettin! Schreiben Sie mir doch, wie u. wann Sie reisen. Am 30.XII. sollte ein Ausflug mit ehemaligen Schülerinnen sein. Wenn Sie dann noch in Berlin sind, will ich ihn verlegen. Ich werde Ihnen Unendliches zu erzählen haben. Hoffentlich geht's der Tante gut! Vielen innigen Dank, Adventswünsche u. Grüße Ihr Ed.
[li. Rand] Schneider habe ich bei m. Besuch nicht getroffen.