Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, [17. Januar] 1911


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Werden Sie den Schreibtisch frei ans Fenster stellen? Wenn die Rückseite nicht furniert ist, kann man sie ja mit dunklem Stoff benageln lassen. Das Bücherregal aus dem Schlafzimmer kommt dann doch auch hinein? Daß die Lauferei aufhört! – Und dann lassen Sie sich ja nichts von V wertlosen Nippsachen u. Gefühlsballast an Photographierahmen u. Albums in ihr Zimmer stecken. Da paßt solch Kleinkram nicht hinein. Sie haben ja die schönen Bilder aus dem "Salon". — Aber Sie werden das ja schon machen. Fürs erste hat das alles Zeit u. es ist nur gut, daß das Fundament nun gelegt ist. – Es sind doch wohl Jalousien an den Fenstern? Denn das ist nach Süden unbedingt nötig.
Stellen Sie doch Ihrem Vater ja recht eindringlich vor, wie schwierig es wäre, wenn er das Mädchen fortgrault[] e. Hat er denn mit Frau Endriat auch
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| immer so gezankt?
Von hier ist garnichts Interessantes zu melden, es ist noch genau so langweilig wie Sie es vorfanden. Mit den Geschwistern u. mit Hans machte ich ein paar Spaziergänge. Es war eine zauberhaft schöne Winterlandschaft. Aber ich möchte lieber mit Ihnen die Waldstraße nach dem Gabelbach gehen! – Es war nur gut, daß es während Ihres Hierseins nicht so abscheulich kalt war. Wir hatten doch Wetterglück.
Und übermorgen geht es dann also wieder nach Heidelberg. Da will ich recht vernünftig leben u. mich bemühen, den Tagen auch einen lebenswerten Inhalt abzugewinnen. Sie hören dann wieder von mir, wenn ich erst dort bin. Dies ist ja nur ein Gruß, der Ihnen meine Freude über die Wohnung ausdrücken soll.
Tanting hört auch von allem mit regem Anteil. Sie grüßt herzlich. Es geht ihr wohl besser, aber die Kräfte sind
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| noch ganz gering, u. das deprimiert sie sehr.
Mit meinem Hals ist auch kein Erfolg erzielt. Der Arzt hat mir gleich nicht sehr imponiert u. wie es scheint, hat er garnicht die richtige Stelle herausgeschnitten, sodaß es einfach umsonst war. Die Wunde ist sehr rasch u. glatt geheilt, aber er hat mich außerdem mit dem Instrument in den Hals gepufft u. das tut immer noch weh. Wirklich recht einfältig! Für diesen Fall teile ich rückhaltlos Ihr Urteil über die Mediciner.
Hoffentlich haben wir recht wenig damit zu tun. – Ich wünsche Ihnen von Herzen ein frohes Gelingen für die Vorlesungen u. für die Schulkinder; daß Sie auch den Erfolg fühlen, der Ihre Mühe lohnt. Bleiben Sie ja dabei, Ihre Kräfte zu schonen, soviel es geht. Sie wissen, es ist Kapitalanlage. – Grüßen Sie Ihren Vater.
Leben Sie wohl u. seien Sie innig gegrüßt von
Ihrer
treuen Schwester.

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Die andren Rücksendungen kommen das nächstemal. Die Karte aus Ilmenau ist sehr hübsch.
Eine Type von mir machen wir vielleicht gelegentlich mal wieder, wenn wir beisammen sind?
Machen Sie nur, daß Sie mir oft so gute Briefe schreiben können, mein lieber Freund. Dann geht es mir gleich viel besser! Und ich will mir ganz gewiß keine Sorgen machen ohne Grund. Aber Sie wissen selbst, daß wir oft genug Grund dazu haben!
Wie nett ist das von Herrn Nieschling, daß er sich so um die Wohnungssuche annahm! Grüßen Sie ihn extra von mir!
Ich muß doch noch mal ausdrücklich schreiben, wie es mich freut, daß Ihr Ehrgeiz, eine Vorderwohnung zu erwischen sich befriedigen ließ. Sie werden nun wohl bald zu fein für meinen Umgang??