Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 20. März 1911 (Heidelberg)


Heidelberg. 20. März 1911.
Lieber Freund.
Sie haben wohl einen mächtigen Schreck bekommen über mein "freundliches Anerbieten?" Sie sollten aber doch wissen, daß ich Sie unter garkeinen Umständen um die Freude dieser Feier bringen möchte u. daß Sie absolut nicht absagen "müssen"!! Entweder also lassen Sie mich ruhig ankommen u. wir sehen uns erst am nächsten Tage, oder wir schieben die Geschichte eben, bis es paßt.
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Also, Sie versprechen mir, daß Sie die kleinen Mädchen nicht enttäuschen u. auch keinesfalls früher dort fortgehen, nicht wahr? Schade aber wäre es, wenn wir deswegen einen ganzen Tag verlieren sollten. Ich denke aber, es ginge so, daß ich eventuell, wenn die arme, verurteilte Ada Weinel mich brauchen kann, ich dort den Tag zubrächte u. erst abends (10 Uhr 3. 7. Mü.) [über der Zeile] a. Bh.Zool. Garten ankäme u. Tante Grete mich in Empfang nähme. - Oder aber Sie hätten Zeit für mich, wenn ich wieder so - ich glaube um 2 Uhr? - einträfe u. wir blieben zusammen bis Sie zu der Festivität müßten u. am nächsten
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| morgen begleite ich Sie zur Schule u. besuche dann gleich Ruges, was sich sehr fein u. eilig machen würde.
Verschieben möchte ich meine Abreise von Cassel nicht, da ich die Zeit am Ende nicht anlängen kann, u. wenn ich den 16. 17. 18. 19 in Rostock bin, 20. - 24. in Stettin, so hätte ich doch gern nochmal einen Tag zur "Durchreise" für uns, u. am 26. muß ich in Cassel, am 27. hier sein. Und wenigstens ein paar Stunden bliebe ich gern in Halle. - Es wäre also gut, wenn überhaupt was aus Jena werden soll, es machte sich auf dem Heimweg.
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| Ich habe jetzt keine Zeit zu großen Auseinandersetzungen, möchte Sie nur gern über den Fall beruhigen. - Am besten wird es sein, Sie lassen mich ohne Ihre Bewachung ankommen u. sagen mir die Zeit, zu der ich Sie - Hals über Kopf - in den Stadtbahnzug stürzend am 5. morgens treffen kann!
Viele herzliche Grüße! Schreiben Sie mir bald, ob Ihnen das mit Jena einleuchtet? Es fragt sich ja noch, ob Weinels nicht verreist sind oder sonst was vorhaben. Aber ich muß nun doch überall anfragen u. mich melden.
In Ungeduld
Ihre Schwester.