Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 25. März 1911 (Bahn Heidelberg/Mannheim)


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<dieser Brief ist schwer bis gar nicht lesbar, deshalb Korrektur nur teilweise möglich>
Bahn H. - Mannheim.
25. März 1911.
Lieber Freund.
Seit langem habe ich den Wunsch, Ihnen endlich einmal wieder zu schreiben, aber es ist einfach unmöglich. Zu den üblichen Stunden, der notwendigen Näherei u. den allerlei Besuchen ist nun auch wieder Klinikarbeit gekommen. So geht es immer, wenn es nicht geht. Seit ½ Jahr hat Dr. Prof. <Name unleserlich> davon geredet u. es wurde nichts damit.
Der <unleserliches Wort> ist eben recht schwach u. wenn ich Ihnen für Ihre l. Karten auch danke, so waren sie mir doch eine recht ungenügende Nachricht. Das Selbstverständliche schreibt man ja schließlich nicht, aber es war doch ein bissel enttäuschend, daß ich kein Wort der Freude über meine frühere Ankunft, nur das Entsetzen über den ungünstigen Zeitpunkt zu hören bekam. Und es
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| kommt mir doch noch recht, recht lange vor, bis wir uns wiedersehen. Es erscheint mir halt so, weil ich nun schon so lange nicht mehr zu einem friedlichen Schreibstündchen kam u. weiß, wie Sie doch noch viel weniger Zeit haben. Jetzt nun vollends im Begriff, umzuziehen. Es wird eine schauderhaft ungemütliche Woche werden. Aber dann doch hoffentlich umso mehr nach Ihrem Wunsche. Ich freue mich sehr, die neue Wohnung so bald schon zu sehen. Es wird nur ganz schwer, mich im Geiste von der alten zu trennen. - Es ist natürlich wünschenswert, daß Sie sobald als möglich in Ordnung kommen. Aber hetzen Sie sich nicht, um vor meiner Ankunft fertig zu werden. Ich fände es nett, wenn ich doch hie u. da auch noch meinen Senf dazu geben dürfte. Besonders für Ihr Zimmer.
Es wäre allerlei zu beantworten
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| aber ich habe natürlich Ihre Briefe nicht da, so lassen sie mich heut nur noch über "Geschäftliches" eingehen. Bitte schreiben Sie mir jetzt umgehend, ob es in den nächsten paar Monaten wünschenswert sein wird, einen Zuschuß zu haben. Ich bringe das Geld dann lieber mit, es ist einfach u. unbemerkbarer. Schieben sie es nicht ab, weil es im Augenblick noch nicht brennt- überlegen Sie gründlich, ob es überhaupt sein muß u. wieviel? Sie wissen, ich kann es garnicht haben, wenn Sie so unnötig in Bedrängnis geraten u. möchte gern, daß immer Reserve auf der Sparkasse ist. 200-300? - Es wird ja deshalb nicht mehr verbraucht u. ob es in Berlin oder in H. liegt, ist doch einerlei.
Ich habe auch in dieser Woche noch tüchtig zu tun. Wenn Sie nur
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| zum Umzug nicht solch abscheuliches Wetter haben. Heut regnet u. schneit es wüst durcheinander u. es ist ganz eisige Luft.
Ich danke Ihnen wie immer, mein lieber Freund, wenn ich auch nicht schreiben kann. Hoffen wir auf ein frohes, ungestörtes Wiedersehen.
Ich habe noch einen sehr kühnen Plan. Ich brauchte nämlich erst am 2. Feiertag in Rostock zu sein. Wollen wir da den ersten zusammen nach Rheinsberg? Ich habe gespart! Wir könnens uns leisten, den 2. fahren Sie dann nach Süden u. ich nach Norden ab - wollen wir?
Viele, viele herzliche Grüße!
Ihre treue Schwester.