Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 28. März 1911


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28. März. früh. 1911
Eigentlich sollte ich in die Klinik gehen, denn ich muß doch verdienen. Das geht nicht, daß ich das einfach ablehne, lieber Freund, denn abgesehen davon, daß ich Prof. Port schon lange versprach, die Sachen für ihn zu zeichnen, ist mirs doch auch ganz entschieden ums Geld. Es ist dürftig genug, was ich mit meiner Hände Arbeit erwerbe. - Aber erst muß ich jetzt noch ein paar Zeilen schreiben u. Ihnen noch einmal sagen, wie schmerzlich es mir ist, daß Sie aus meiner unbefangenen Äußerung einen Conflikt machen. Darf ich nicht
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| harmlos die Wahrheit sagen? Das wäre doch traurig. Was ist da so Kränkendes dabei, wenn ich scherzend, u. eigentlich ein bißchen verlegen über meine Dringlichkeit beichte: ich war enttäuscht, daß Sie - nachdem Sie erst mein früheres Kommen wünschten, nun nichts darüber zu sagen haben, als daß es in dem Moment gerade recht schlecht paßt. - Es lag in dieser Ehrlichkeit tatsächlich nur Liebes für Sie u. empfindlich bin ich nie, ich lege es mir immer in Ihrem Interesse zurecht. Das könnten Sie eigentlich wissen.
Aber wir wollen uns nun wirklich wieder vertragen -
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| wollen wir? Es ist nicht schön, eine Verstimmung so tief greifen zu lassen um einen im Grunde so unwichtigen Fall. Hätten Sie doch gesagt: "Wenn Sie auf den Beifall so warten, geschiehts Ihnen ganz recht, daß er ausbleibt" - es wäre wirklich lieber von Ihnen gewesen.
Aber ich habe ja garkeine Zeit u. mein Geschmier wird überhaupt nicht zu lesen sein. Lesen Sie also lieber zwischen den Zeilen, da steht was viel Besseres u. lassen Sie uns froh u. sicher u. - glücklich sein!
In Treue
Deine Schwester.
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Gute Wünsche für den Umzug. <Wort unleserlich>.