Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 28. August 1911 (Heidelberg)


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Heidelberg. 28. August 1911.
Lieber Freund.
Ich hoffe, diese Zeilen reisen morgen früh 6.25 u. erreichen Sie im Laufe des Vormittags. Verzeihen Sie, daß ich den Brief von Ludwig öffnete u. las. Ich dachte erst, es nicht zu tun, aber dann überlegte ich, daß ich ihn lieber nicht nachschicken wollte, wenn er irgend unangenehme Nachricht enthielte. Aber er ist so freundschaftlich, natürlich, so echt u. recht, daß Sie sicher Ihre Freude daran haben. Beigelegt waren ein paar Zeilen von Ihrem Vater mit dem schon bekannten Inhalt. Diese bringe ich dann mit, um d. Porto zu sparen.
Ich schreibe am Familientisch
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| in der Bunsenstraße. Es kam den ganzen Nachmittag nicht dazu. Erst war ich zum Essen hier bis etwa um 3 Uhr dann bestellte ich das Eilgut, das von 12-2 geschlossen war, dann schlief ich - von irgend so einem unnützen Bub durch Klingeln schon um 1/2 4 wieder geweckt - aber aus Rache schlief ich weiter bis der Rollwagen den Koffer holte. Dann packte ich noch aus, ging mit der Aenne in die Stadt, mußte für die Pulver von Omama bis 1/2 8 in der Apotheke warten, traf den Zahnarzt nicht, der noch verreist ist, muß morgen um 1/2 10 in die Klinik - kurz, es war alles recht dumm u. öde.
Aenne ist "arg" lieb, hat rechte Klage durch die Krankheit der Mutter u. die Unruhe mit dem Kind.
Wie geht es Ihnen, liebster Bruder? Haben Sie einen behaglichen, hübschen
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| Tag verlebt? Es muß Ihnen doch wohltun, wie der alte Herr an Ihnen hängt. Bitte, bestellen Sie der Familie herzliche Grüße.
Im Auskunftsbureau sagt man, die Dampfer auf dem Rhein führen nach wie vor fahrplanmäßig. Also es bleibt bei der Verabredung u. Sie fahren 9 Uhr 4 von Speyer 9.47 in Ludwigshafen.?? Ich freue mich so darauf!
Morgen habe ich noch tüchtig zu tun, das ist gut, da geht die Zeit rascher. Bleiben Sie mir gesund - u. bleiben Sie mir gut! Lassen Sie uns auf ein paar schöne, ungetrübte Tage hoffen, die alle Schatten bannen u. wieder Spannkraft u. Freudigkeit geben zu neuem Leben u. Wirken.
In Treue
Deine Iphigenie.

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Lieber Herr <Wort unleserlich> es muß* [Fuß] * weil ich nicht anders kann! nicht etwa weil Käthe es verlangt hätte. Spiritus <Wort unleserlich> was? Ihnen recht herzliche Grüße senden Ihre Ihnen wohlgeneigter, alter Vorstand.