Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 25. Februar 1912


Wenn mir im Ernst des Tages still und sacht
Mit trauten Bildern liebliche Gedanken
Den angespannten, herben Sinn umranken,
So fühl' ich tief im Busen Deine Macht.
Du strahltest mir als Stern in dunkler Nacht,
Als alle lichten Tage mir versanken,
Du hast in qualvoll ungewissem Schwanken
Mir sichern Frieden in das Herz gebracht.
Laß heute denn zu neuer, froher Fahrt
Die Hand mit treuem Gruß uns reichen!
Noch Höh'res hat das Schicksal aufgespart:
Wir stehen unter ewig hohem Zeichen,
Und was im Schoße finstrer Mächte harrt,
Muß vor dem Licht in unsern Seelen weichen!
25. Februar 1912