Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, Februar 1912


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Liebe Schwester! Zum Zeichen dessen, daß ich nicht auf Ihren sehr lieben Brief antworte, sondern nur eine Bitte um Rat habe, nehme ich diesen Zettel. Bitte antworten Sie mir, wenn irgend möglich, bis Sonntag früh nach Berlin, sonst nach Leipzig.
Soll ich für m. Wohnung mehr zahlen?
Bisherigen Preis: 3 Zimmer, wovon 1 unmöbliert
90 M.
Pension pro Tag 3 M
dafür
1) 2 [über der Zeile] kl. Tassen Kakao mit 2 Hörnchen u. Butter.
2) 3 Butterbrode (klein) z. Frühstück.
3) Mittag:
    (Suppe) nicht immer
    Fleisch, wenn Gemüse ausgekochtes Rindfleisch 3 mal Woche.
Kompott.
4) 1 kl. Tasse Kaffee schwarz.
5) Abendbrot: reichlich Butterbrode mit verschiedenen Belag.
    Zu beachten, daß in 24 Tagen auf 2 Mittage 3 Abendbrot meinerseits verzichtet.
Einzelpreise außerdem: pro Tag 10 <altes Pfennigzeichen> Gas
"    "   12 <altes Pfennigzeichen> Petrol.
"    "   30 <altes Pfennigzeichen> Heizung 1 Stube
"    "   15 <altes Pfennigzeichen> Bedienung
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Soll jetzt kosten: Wohnung 100 M
Pension 100 M = 3,35 pro Tag.
Grund pro: Angenehmes Wohnen
Gute Gegend
pünktliche Bedienung.
Problem: Da die Sache doch nicht in Ewigkeit
gehen kann, ob ich nicht für 2400 M oder etwas mehr auch eine eigne Wohnung bekomme.
Möbel nach Kontrakt mit Geschäft sollen nicht berechnet werden.
Wohnung 3 Zimmer höchstens 900 M hier.
Wirtschafterin resp. Mädchen 500.
Wirtschaftsgeld pro Tag 4 M = 1500
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macht 2900.
also 500 mehr; dafür aber eigne Wohnung, was man hier doch bei m. Stellung früher oder später erwartet.
Ich füge heut nichts hinzu als herzlichste Wünsche u. Grüße.
Eduard.

NB. Die ganze Wohnung, in der ich jetzt wohne, d. h. 6 Zimmer, 4 vorn, großer Korridor, reputable Zubehör kostet 1725 M. <li. Rand> In der besten Gegend kostet also 1 Zimmer 300 M. Natürlich würde ich so nah resp. in so feinem Viertel nicht wohnen. aber ev. klimatisch besser.